3. vilmar und Hassenpflug.
i.
Neben diesen Arbeiten begann meine Tätigkeit auf demGebiete der praktischen Politik, wenn auch nicht unausgesetzt,so doch Periodenweise znr Zeit der Wahlen, die freie Zeitimmer mehr in Anspruch zu nehmen. Wenn ich hieraufnäher eingehe, so geschieht das nur, um einen Beitrag zurGeschichte der Umwandlung der Politischen Stimmung undParteigestaltnng meiner Heimat zu liefern. Diese wenigstenszu skizzieren, verlohnt sich allerdings der Mühe, denn kaumist in einem Territorium im Laufe eines Jahrzehnts ein sol-cher Wechsel in den politischen Meinungen, in der ganzenPolitischen Denkweise eingetreten wie in dem ehemaligen Knr-hcsseiü War nämlich bis zur Annexion des Staates durchPreußen eine gemäßigt liberale und nationale Partei so herr-schend gewesen, wie kaum in einem anderen deutschen Klein-staat, so entwickelte sich hier auch zuerst die Strömung, welchedann später und bis auf unsere Tage nach und nach fastdas ganze übrige Deutschland ergriffen hat und — wesent-lich unpolitischer Natur im engeren Sinn — von sozialenEinflüssen beherrscht ist.
Denn es ist eine Tatsache, daß zuerst voll Knrhessen ausdas Agrariertnm und der mit ihm enger zusammenhängendeAntisemitismus ihren Einzug in die deutsche Politik gehaltenund das Parteiwcscn gänzlich ungestaltet haben. Kaum lassensich aber auch für eiu anderes deutsches Territorium die Ur-sachen dieses Umschwungs so klar machen, wie es für dasehemalige Knrhessen möglich ist. Mit solcher inneren Folge-