Druckschrift 
Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
Seite
100
Einzelbild herunterladen
 

100

richtigkeit und Durchsichtigkeit entwickeln sich hier die Dinge,daß schon deshalb es von Interesse ist, sie auch für die Zu-kunft festzulegen.

Der unglückliche Vcrfassnngskampf, der das letzte Men-schcnalter der selbständigen Existenz des Kurstaates aus-gefüllt und soviel zu dessen Untergänge beigetragen hat,drehte sich weniger um Politische Prinzipien, als um sehr realeklingende Dinge. War der Kurfürst auch ein Absolutist, sowar er das weniger aus theoretischen Gründen, aus seinerÜberzeugung von dem göttlichen Ursprung seines Rechts alsLandesherr heraus, als auS praktischen Erwägungen. Morgana-tisch verheiratet, wie er war, sah er seine zahlreiche Nach-kommenschaft von dem Thron seiner Väter ausgeschlossen.Für sie zu sorgen war sein eifrigstes Bemühen, dabei wurdeer von seinem geldhungrigen Weibe, das niemals einen Fun-ken von Gefühl für die Stellung, in die es doch nun einmalgekommen war, gehabt hat, auf's eifrigste bestärkt. Sie hieltden Kurfürsten sehr knapp, so daß er sich z. B. einem Be-kannten von mir gegenüber einmal in einem Bade beschwerte,seine Frau wollte ihm nur zwei reine Hemden die Wochegeben. Wollte sie einen Roman lesen, so ließ sie sich dieschmierigsten Leihbibliotheksexemplare gefallen!

Also für den Kurfürsten gab es nur einen oder richtigergesagt den höchsten Wunsch, Geld für seine Kinder auf Kostendes Landes znsammenznhänfen. Waren ihm doch Bater,Großvater usw. hierbei als Mnstervorbilder vorausgegangeninsofern, als sie für ihre Maitressen und deren zahlreicheuneheliche Kinder eine ungeheure Geldmasse aus dem armenLande gezogen und an diese verschenkt hatten. So hattenamentlich die Gräfin Reichenbach, um nur eine zu nennen,dem Lande Millionen gekostet. Das Silberzeug endlich, dasdas letzte Weib des Vaters des Kurfürsten, eine geborene vonBerlepsch später an den Grafen Hohcnthal in Sachsenverheiratet aus dem Nachlaß bekommen hatte, wurde nachvielen Zentnern berechnet!