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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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jetzt schon in seiner staatslosen Existenz sich eine geachteteStellung unter den Nationen errungen habe! Ja, Sie hoffen,und ich möchte diese Hoffnung mit Ihnen teilen, daß durchdie Einschränkung jenes zu einer deutschen Antinomie ge-wordenen, sich in sich aufhebenden Treibens unseres Volkes,bald nur nach idealen Gestaltungen zu ringen und dannwieder die beste Kraft in Minutien zu vergeuden, und durchdie Überleitung der noch unverdorbenen und in überschüssigerMenge vorhandenen elementaren Kräfte unserer Nation inden Dienst eines großen und reichen Staatswescns, selbst jeneVorzüge die ihr noch anhaftenden Schwächen verlieren undsich um so reiner und glänzender entwickeln werden. Aberauch darin sind wir miteinander einig, daß dieses nicht aufdem Wege geschehen kann, den man jetzt in Preußen verfolgt:indem man in allerdings schwacher Nacheiferung des vatika-nischen Konzils der deutschen Kultur, wie sie sich seit einemJahrhundert ungefähr gestaltet hat, den Krieg erklärt und denkonfessionellen Hader eben dadurch groß zieht, daß man ihn indie Schulen wieder einpflanzt und die evangelische Kirche stattsie von den Fesseln der Staatsgewalt zu befreien unter dievon dem Staat garantierte und gedeckte Herrschaft einer nurrückwärts schauenden, täglich schroffer auftretenden einseitigenPartei zwingt, lind wie viele Windungen werden wir, ganzvon diesen und ähnlichen Hemmungen abgesehen, noch zudurchlaufen haben, ehe wir jenes Ziel erreichen? Und wieoft wird die nationale Partei, deren Geschicke darum, weilsie eben die nationale ist, von dem Lose unseres Volkes inganz anderer Weise abhängen, als die einfachen politischen, nachDoktrinen geschiedenen Schattierungen, wie oft sage ich, wirdunsere Partei äußerlich zu unterliegen scheinen, ehe sie alsallezeit Sterbende, und siehe wir leben", doch die Voll-endung des deutschen Staates mit herausführen hilft undsich seines Glanzes freuen darf?

Aber eben weil ich die Überzeugung habe, daß wir inunserer Entwickelung an einem solchen Punkte angelangt sind,