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Silber / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Zeit in Deutschland verfahren worden,*) und es hat sichthatsächlich nicht ein konkreter Fall herausgestellt, aus demheraus sich die Klage hätte begründen lassen, daß hierdurchJemand positiv geschädigt worden wäre.

Höchst lehrreich ist bei dieser Festsetzung des Ueber-gangs das eigenartige Phänomen, welches dadurch entsteht,daß nicht, wie in Deutschland und bei sonstigen Umwand-lungen dieser Art, ein Metall in das andere umgewandeltwird, sondern Papier in Metall. Wir in Deutschland hattendas Konvertirungsverhältniß von Silber zu Gold fest-zusetzen. In Oesterreich aber besteht die Silberwährung zurZeit nur dem Namen nach, in Wirklichkeit wird mit unein-lösbaren Papiergulden bezahlt. Diese Papiergulden aber das ist das Schnurrige an der Sache sind mehr werth,viel mehr zur Zeit, als wenn sie zu ihrem gesetzlichen, vollenGehalt an Silber ausgeprägt wären. Mit einer Handvollösterreichischer Papiergulden in Form von Staatsscheinenoder Banknoten kann man in London mehr Gold kaufen,als eine Handvoll nominell den gleichen Betrag repräfen-tirende Anzahl von Silbermünzen zu ihrem Metall-werth erzielen würden. Wie diese wunderliche Er-scheinung möglich geworden, ist nicht so schwer zu er-klären, wie man denken sollte. Silber wird seit einer Reihevon Jahren viel mehr und mit geringeren Kosten ausLicht gefördert als ehemals, und da Gold diesem Bei-spiel nicht in gleichem Schritt gefolgt ist, so ist Silberauch im Verhältniß zum Gold um etwa ein Drittelweniger werth geworden. Hätte nun Oesterreich seinePrägeanstalten dem Publikum zur Ausprägung von Silber-gulden stets offen gehalten, so würden seine Gulden aufzwei Drittel ihres früheren nominellen Werthes gesunkensein. Statt dessen hob es dieses freie Prägungsrecht seit1879 auf und beschränkte die Befriedigung der Umlaufs-mittel auf die Geldzeichen, die theils in Staatsnoten, theils

*) Es sei mir gestattet, hier zu bemerken, daß ich die Genug-thuung gehabt habe, den Standpunkt, den ich persönlich bei der erstengrundlegenden Berathung der deutschen Münzreform vor länger alszwanzig Zähren vertrat) bei den gegenwärtigen vorbereitenden Er-örterungen in Oesterreich zum Oefteren mit meinen eigenen Wortencitirt zu finden. Ich sagte damals:Ich bin der Ansicht, daß wederrückwärts gehende Durchschnittsnormen noch vorwärts gehende Be-rechnungen zu entscheiden haben, in welcher Proportion dieser Ueberganggegriffen werden soll, sondern einzig und allein der Moment, in demder Uebergang bewerkstelligt wird." (11. Nov. 1871.) Die bimetallistischeRabulisterei hat mir nachträglich die Legende unterzuschieben gesucht, alshätte ich dies im Glauben an die Dauerhaftigkeit des damaligen Silber-preises gethan, waS in direktem Widerspruch zum Sinn meines Argumentesund zu allen meinen übrigen Ausführungen steht.