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Silber / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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soll, welch' letzteres dem französischen Franken etwas näher-kommen würde als der deutschen Mark; wie ein solches Geld-stück getauft werden soll, können wir ruhig abwarten, eben-so die Entscheidung darüber, wieviel Staatsnoten (ent-sprechend den hundertundzwanzig Millionen Reichskassen-scheinen) in Umlauf bleiben sollen.

Nur die Frage, welche in der Enquete an zweiter Stelleaufgeworfen ist:Wenn die Goldvaluta acceptirt wird, solldabei auch Silbergeld in beschränkter Quantität in Umlaufbleiben (Silber-Cöurant)?" gehört nach ihrem Wesen in dieKategorie höherer allgemeiner Ordnung. Wohlbemerkt, eshandelt sich nicht um Scheidemünze, sondern um Silbergeld,welches, obwohl minderwerthig, als Hauptzahlung der Gold-münze gleichgestellt werden, wenn auch im Gesammtvorrathbeschränkt und nicht der freien Prägung zugänglich erhaltenwerden soll. Aus dem, was in dem ersten Theil gegen-wärtiger Darstellung über die Verpfuschung der deutschenMünzreform gesagt worden ist, erhellt genugsam, wiesehr eine solche Idee aufs entschiedenste zurückzuweisenist. Sie könnte viel verhängnisvoller werden als unsereMaßregel von 1879 aus Gründen, die hier vor-

zutragen zu weit führen würde. Viel besser ist es, die un-vermeidlichen Uebergänge mit einem Provisorium des jetzigenPapiergeldes zu mischen als mit einem Deftnitivum vonSilberzusätzen, die nur eine falsche Goldwährung darstellenwürden. Selbstvertrauen und ganze Arbeit sind die Grund-bedingungen jeder Rettungsmaßregel dieser Art.

Endlich, und als Schluß der Fragen, die freilich nichtauf dem ministeriellen Bogen siguriren, bleibt die zu beant-worten, ob Oesterreich das nöthige Gold austreiben könneund ohne die Geldzustände der Welt in Unordnung zu bringen.Darüber haben sich, allem Anscheine nach, die beiden Finanz-minister vollkommen beruhigt, und sie haben damit ohneZweifel sehr recht gethan. Die für's erste nothwendigen An-schaffungen von zwei bis dreihundert Millionen Gulden inGold, auf einen mäßigen Zeitraum vertheilt, erheben keinenzu heftigen Anspruch an den Weltmarkt.

Jahr um Jahr ist die Produktion des Goldes wiederim Wachsen. Man kann die eines einzigen Jahres auf denBetrag rechnen, welchen Oesterreich nach obiger An-nahme im Ganzen für's erste braucht, und die Zunahmeder Vorräthe, die sich in den europäischen Banken seiteiniger Zeit anhäufen, sie gehen in die Hunderte von Mil-lionen Mark zeigt deutlich, daß das berühmte WortBismarck's von der kurzen Decke zwar als Bild recht treffendund freilich auch naheliegend war, aber doch nur ein richtiges

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