25
in Erwartung der Maßregel mit Anspannung aller Kräfteproduzirt. Die Silberleute innerhalb und außerhalb desKongresses hatten in gleicher Erwartung enorme Spekulations-käufe gemacht. Aber selbst die gewaltigen Beträge, welchedas neue Gesetz absorbirte, waren nicht im Stande dieMassen zu verschlingen, welche angeboten wurden. So wardenn der Beweis geliefert, daß alle noch fo ungeheurenKäufe und Ausprägungen von Staatswegen nicht helfenkonnten. Und abermals fahen sich die Interessenten aufdie einzige Zuflucht, das Stichwort der freien Prägung hin-gedrängt.
Inzwischen hatten sich nun auf dem wirthschaftspoli-tischen Gebiete Umwandlungen von gewaltiger Bedeutungvollzogen; der Kampf um' das Silber sollte zum Kampfum die Macht zwischen den beiden großen Parteien desLandes werden, insbesondere zum Kampf um die Präsident-schaft. Und dazu kam noch, daß diese tiefgreifende Evolutionsich aus einer anderen wirthschaftlichen Wendung herausentwickelte, die bereits das größte Aufsehen in der Welt er-regt hatte. Nämlich der Sieg der extremen Schutzzollpartei,welche die Mac Kinley Bill erkämpft hatte, schien dazu be-stimmt, auch den Sieg der Silberpartei herbeizuführen;nicht etwa weil, wie bei uns in Deutschland schutzzöllnerischeAgrarier und Bimetallisten zusammengingen, sondern eherumgekehrt, weil in Amerika Jndustrieschutzzöllner undSilberleute einander gegenüber stehen und befehden. Mitder Mac Kinley Bill hatten die Republikaner im Kongreßgesiegt. Die tolle Uebertreibung, in welche sich die schutz-zöllnerifche Mehrheit hineinfanatisirt hatte, rief unmittelbarnach Erlaß des Gesetzes eine ebenso gesunde als unwider-stehliche Reaktion im Lande hervor, und das Ergebniß stelltesich darin ein, daß die Neuwahlen zum Repräsentantenhausoie republikanisch schutzzöllnerische Mehrheit im Sturm hin-wegfegten und an ihre Stelle eine erdrückende Majoritätvon Demokraten absandten.
Soweit war Alles gut. Aber die demokratische Parteiwar, wie schon erwähnt, vorwiegend silberfreundlich, unddarum kam nun neue Hoffnung in diese Reihen. In denKongreß, welcher im Herbst 1891 zusammentrat, sollte daherwieder der Antrag auf freie Prägung eingebracht werden.Der Senat schien von vornherein gewonnen. Denn schonam Ende der vorhergehenden Legislatur hatte er einendahingehenden Antrag genehmigt, der nur an der ent-gegengesetzten Richtung des Repräsentantenhauses ge-scheitert war.
Nochmals belebten sich jetzt also die Hoffnungen, und