26
die Stimmungsberichte aus den Vereinigten Staaten ver-meldeten, daß die Anhänger der ehrlichen Goldwährung sichauf eine Niederlage gefaßt machten. Nur Eins war höchstauffallend. Trotzdem alle politischen Berechnungen den SiegBlands sehr wahrscheinlich machten, wollte der Silberpreissich von seinem tiefen Fall nicht wieder erholen. Der In-stinkt der realen Interessen zeigte bessere Witterung von denkommenden Dingen als alle noch so schlauen Kalkulationender Maschinenpolitiker.
Eigenthümliche Verschiebungen brachte in diese dochschon hinreichend komplizirte Lage der bevorstehende Kampfum die im Lommer dieses Jahres vorzubereitende und imHerbst zu entscheidende Wahl eines Präsidenten der Republik.Nicht sowohl wegen der Entscheidung zwischen den Par-teien als wegen derjenigen zwischen den Kandidaten inner-halb derselben Partei. Vor allem muß nämlich daran er-innert werden, daß die beiden großen politischen Parteiensich durchaus nicht mit diesen wirthschaftlichen decken. Esgibt auch bei den Demokraten ganz entschiedene Gegner desSilbers, wie es unter den 'Republikanern eine AnzahlFreunde desselben gibt. Und dazu steht zwischen beideneine dritte, unabhängige, welche aus ehrlicher Ueberzeu-gung sich über die Parteischablone erhebt und densonderbaren aus der Jndianersprache geholten Namender Mugwumps trägt. Nachdem nun die Demokraten beiden letzten Wahlen für den Kongreß gesiegt hatten, schienennatürlich ihre Aussichten für die Präsidentschastswahl sehrgewonnen zu haben. Der jetzige Präsident Harrison, ein Re-publikaner und erklärter Gegner der freien Prägung, solltevoraussichtlich einem demokratischen Kandidaten weichen.Doch hier standen innerhalb der Partei abermals dieGegensätze aus. Der bei weitem beste Name für diedemokratische Kandidatur wäre der vorletzte PräsidentGrover Cleveland , ein Mann, der mit dem Rufe höchsterIntegrität und bedeutender Fähigkeit von seinem Posten ab-getreten war. Und dieser Mann ist eben deshalb ein abge-sagter Feind des Silberschwindels. Sein Rivale innerhalbder Partei, Hill, jetzt Senator, vormals Gouverneur desStaates New-Iork, liebäugelt mit dem Silber.
Ein demokratischer Sieg des freien Silbers im Kon-greß würde nun die Aussichten Hill's aus Nomination ge-hoben und die Cleveland's herabgedrückt haben. Im Uebri-gen aber war der Name Cleveland für den Kampf um denPräsidentenstuhl eine viel bessere Fahne als der Hill's. Die-jenigen Republikaner nun, welche mehr Werth daraus legten,bei der Präsidentenwahl zu siegen, als bei der Ablehnung