Druckschrift 
Silber / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
11
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II. Die Münzerform in Oesterreich .

Wenn es, wie zu wünschen und auch zu hoffen ist, derösterreichisch -ungarischen Monarchie gelingt, zu einer nor-malen, auf vollwerthiges Metallgeld begründeten Geldver-fassung zu gelangen, so wird sie damit eine Periode unzu-länglicher und nachtheiliger Zustände schließen, die auf nichtweniger als hundertunddreißig Jahre zurückgeht. GegenEnde des siebenjährigen Krieges im Jahre 1762 wurde daserste Papiergeld, der sogenannte Bankozettel, geschaffen, ur-sprünglich ohne Zwangskurs und in mäßigen Beträgen, all-mählich, in Folge der endlosen Kriegsverwlcklungen,'ins Un-geheure, bis über eine Milliarde Gulden steigend. Als esnach den Kämpfen gegen das revolutionäre und das kaiser-liche Frankreich zu dem großen Staatsbankrott des Jahres1811 kam, wurde die Milliarde Bankozettel auf den fünftenTheil ihres Nennwerthes reduzirt, und auch für dieses Fünf-theil Papier wurden Einlösungsscheine an Zahlung gegeben,welche unter dem NamenWiener Währung" wieder zutrauriger Berühmtheit gelangten. Nach dem Frieden von 1815hoben sich die Finanzen, aber im Laufe der Jahre gelanges trotz einer Reihe von Anläufen nicht, zur vollen Baar-zahlung zurückzukehren. Im Jahre 1816 wurde die öster-reichische Nationälbank gegründet und mit ihrer Hilfe eineBeseitigung des Staatspapiergeldes versucht, die aber gleich-falls nie zum Abschluß kam. Neben den Banknoten,welche ihren vollen Nominalwerth österreichischer Silberguldenrepräsentirten, blieb das Papiergeld, die Wiener Währung,im Umlauf, welches allmählich von der Bank im Verhältnisvon 250 für 100 Gulden baar oder Noten eingezogen werdensollte. Aber die dadurch anwachsende Notenmenge verlor inFolge immer neuer Ansprüche des Staates an den Bank-kredit ihre solide Grundlage, und als die Katastrophe von1848 hereinbrach, trat alsbald die Nothwendigkeit ein, dieEinlösung der Banknoten gegen Baar zu suspendiren undletztere mit Zwangskurs zu versehen. Seit jener Zeit wurdendie Versuche, aus' der Wirrniß aufzutauchen, mehrmals er-