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neuert, aber jedes Mal schien sich ein besonders boshaftesGeschick darauf zu verlegen, im entscheidenden Momentpolitische Ereignisse heraufzubeschwören, welche gerade vorThorschluß die guten Vorsätze zu Schanden machten; sonamentlich kurz vor dem Schluß des Jahres 1858, für dessenersten November die Baarzahlung angekündigt war (undauch scheinbar einen Moment verwirklicht wurde), als derberüchtigte Neujahrsgruß Napoleons III das Signal zumitalienischen Kriege gab. Im Jahre 1866 schien der National-bauk der Augenblick für die Beseitigung des Zwangskursesgekommen, als der Krieg mit Deutschland ausbrach.
Auch zwei Münzverträge mit fremden Nationensind zu verzeichnen. Im Jahre 1857 wurde mit den
Staaten des deutschen Zollvereins jene Uebereinkunft ge-troffen, aus welcher die im vorigen Abschnitt besprochenenThaler österreichischen Gepräges herstammen, also ein Ver-trag aus Grund der Silberwährung. Im Jahre 1867dagegen ging man mit Frankreich und, unter dessen Auspi-zien, mit den Staaten des lateinischen Müuzbundes einBünduiß ein, welches auf dem Gedanken der Goldwährungberuhte und zunächst in Ausprägung von Goldmünzen zurAusführung kommen sollte (Achtguldeustücke gleich zwanzigFranken, auch Fünfundzwanzigfränkstücke). Aber die Silber-wie die Goldwährung verlief nach schwachen Anfängen wiederin den Sand der Papierwirthschaft.
Inzwischen haben fünfundzwanzig Jahre friedlicherEntwicklung, besonders unter der Mitwirkung eines nament-lich in Ungarn erstarkten, konstitutionellen Staatslebens, denKredit der Monarchie nach und nach beträchtlich gehobenund allseitig den Gedanken aufgedrängt, daß der Momentfür den Eintritt in die Reihe der mit ehrlichem Gelde ver-sehenen Staaten gekommen sei. Wenn das Unglück nichtwieder unerwartet Friedensstörungen improvisirt, mutz manden Zeitpunkt für durchaus geeignet und günstig erklären.Haben auch die volksvertretenden Körperschaften in Oester-reich diesseits und jenseits der Leitha noch nicht ihr letztesWort gesprochen, so bürgt doch die Haltung der gestimmtenöffentlichen Meinung der Länder und der feste Wille derbeiderseitigen Regierungen für eine feste Entschlußnahme,der auch' das Urtheil des Auslandes in hohem Grade zu-stimmend entgegenkommt.
Der gesamnite Vorgang, schon so sehr wichtig undinteressant vorn allgemein kulturgeschichtlichen Standpunktaus, hat noch seine besondere Bedeutung für uns Deutsche ,nicht nur wegen unserer engen politischen und wirthschaft-lichen Beziehungen zum Nachbarstaat, sondern wegen des