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Lichtes, das er auf unsere eigenen Erlebnisse und Zuständeverwandter Natur wirft.
Wer die mündlichen und schriftlichen Expektorationenunserer Doppelwährungsfreunde alle die Jahre verfolgte,mußte auf den Gedanken verfallen, daß es ein wahres Glückfür ein Volk fei, eine schlechte Währung zu haben, womög-lich Papiergeld.
Ohne Unterlaß erschollen die Klagen über den Schaden,den das unglückliche Deutschland zu tragen habe, weil dieLänder, aus denen es feine Nahrungsmittel zum Theil be-ziehe, schlechteres Geld hätten, unterwerthiges Silber wieOstindien, oder Papier wie Rußland und Oesterreich. Wenndas für Deutschland ein Unglück war, so mußte es doch mitnothwendiger Logik für jene anderen Länder ein Glück sein,und die Nutzanwendung wurde auch sofort in dem Schlußgezogen, oaß Deutschland sich ebenfalls schlechtes Geld an-schaffen müsse, wohlfeiles Silber; von Papier wagte man,weil man sich den Schein der hohen Ehrbarkeit und frommenSittlichkeit erhalten muß, nicht zu reden, aber dieselbe Logikführt unfehlbar zur Anpreisung herrlicher Papierwirthschast.Nun haben wir da ein Reich von vierzig Millionen nebenuns, welches feit länger als einem Jahrhundert Gelegenheithatte, mit diesem Glück in allen Lebenslagen Bekanntschaftzu machen, und dies Reich schmachtet seit vielen Jahrzehntennach dem Augenblick, wo es diesem Glück entrinnen und zudem entgegengesetzten Zustand sich aufschwingen kann. KeineStimme wagt dort im Prinzip diesem Verlangen offen zuwidersprechen. Allerdings gibt es einige Interessengruppen,welche ini Trüben der bisherigen dunklen Verhältniße wohlzu fischen verstanden und deren Fortdauer nicht ungern ge-sehen hätten. Aber laut zu gestehen wagt das doch keinevon ihnen. Man muß gottesfürchtig und dreiste sein,um seinen einseitigen Vortheil — und dazu noch einen miß-verstandenen — offen an die Spitze des Staatswohls zusetzen. Zum Ueberfluß ist Oesterreich noch viel mehr alsDeutschland ein Ackerbau treibendes Land, hätte also, wenndie alles übertönende „Noth der Landwirthschaft" nur durchGeldverschlechterung kurirt werden könnte, viel mehr alsDeutschland Grund, eine gesunde Währung von sich fern zuhalten.
Welche wahren Gründe hinter den falschen Vor-wänden der Geldverschlechterungstheorien stehen, welchesdie wahren Leiden sind, die ein Land mit schlechtem Geldzu tragen hat, dies aufzuführen ist hier nicht der Ort.Wer es kurz und faßlich, aus der besonderen ErfahrungOesterreichs heraus geschildert, kennen lernen will, sei auf