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des Silber-Antrags, klügelten aus, daß es vielleicht garnicht so übel wäre, den Demokraten zu einem Silbersieg zuverhelfen, um ihrem Cleveland den Weg zu verlegen. Dergegenwärtige Präsident Harrifou, republikanischer Kandidatfür die nächste Wahl, würde sich durch ein Veto gegen dieneue Blandbill populär machen. Ein Sieg über dieDemokratie schien ihnen unter Hill's Kandidatur dann umso leichter zu erringen. Daher machte eine Anzahl Re-publikaner Miene, den Demokraten in der Silberfache unterdie Arme zu greifen. Andererseits gab es dafür Demo-kraten, welchen die Bekämpfung des Silberschwindels mehram Herzen lag, als alles andere. Ohne Rücksicht auf diePräsidentschaftskampagne kam es ihnen vor Allem daraufan, in ihren eigenen Reihen so viel Stimmen als möglichvorn Silber-Programm abspenstig zu machen. Dabei hattensie noch die Hoffnung, daß wenn sie damit siegten, auch dieKandidatur Cleveland und die Beseitigung Hill's gesichert war.Gerade die stärksten und fähigsten Elemente der demokrati-schen Partei sind für ehrliches Geld; vor allen Dingen derwichtige Staat New-Iork, in den: sich die reellen Finanz-interesfeu vereinigt finden; ferner die gebildeten und tüchti-gen Neu-Englandstaaten, voran Mafsachusets mit seinem un-ermüdlichen Vorkämpfer Eduard Atkinson aus Boston . DieKerntruppeu derSilberleute stehen natürlichindenStaaten, ivodie Bergwerke liegen,*) ferner im tar^Vobt, wo die Farmer,die amerikanischen Agrarier, sitzen und in einem Theil der süd-lichen Demokratenstaaten. Was auf dieser Seite nicht von Sil-ber-Interessen unmittelbar oder mittelbar beherrscht wird, ge-horcht agrarisch-demagogischen Strömungen, welche meinen, derStaat könne seine Bürger damit reich machen, datz er künst-lich den nominellen Geldwerth steigere und ein wohlfeilhergestelltes Geld unter die, welche zu wenig besitzen, ver-theile. Das ist der Grundgedanke der Farmer-Allianz undder Partei, welche sok't mons^, wohlfeiles (wörtlich weiches)Geld verlangt und welche in Hoffnung auf ein solches Ge-
Wie sehr gerade die Silberproduzenten Amerika's an der Sacheinteressirt sind und in welchem Masse die Silberprodnktian seit demJahre 1873 zugenommen hat, erhellt aus den neuesten Zahlen, die soebender Münzdirektor der Ver. Staaten dem Kongreß vorgelegt hat. Erveranschlagt die gesammte Silberproduktion der Welt auf 140,865,000 Unzenfein, von' welchem allein in der Republik 58,330,000 produzirt wurden.Im letzten Jahre war die Produktion daselbst um acht Millionen Unzengewachsen, und den 58 Millionen dieses letzten Jahres standen im Jahre1873 (Jahr der deutschen Münzreform) nur 27Vs Million gegenüber.Die Gesammtproduktion der Welt hat sich seit jenem Jahr 1873 mehrals verdoppelt, ist von 63,267,000 auf 140,865,000 Unzen gestiegen!