Druckschrift 
Die Geschäftswelt angesichts der Geschäftslage in Deutschland : ein Vortrag gehalten ... zu Mainz ... 1875 / von Dr. Ludwig Bamberger, Reichstagsabgeordneter
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

-

6

-

stand unter der Katastrophe, an der er zunächst betheiligtwar durch das Zusammenstürzen von Geschäften, auchmoralisch an seiner Reputation gelitten hat; und da dieseüble Empfindung auf sein Selbstbewußtsein zurückwirkenmußte, ſo kam seine ganze Stellung in sich selbst undim öffentlichen Leben der Nation dadurch zu Schaden.

Es ist dies um so schmerzlicher, wenn wir bedenken, daßes keinen Stand in der Nation gibt, der so verdientist um ihre politische Hebung, der in seiner Quintessenzso sehr diejenige Richtung vertritt, die sich gänzlich iden-tifiziren darf, die sich gänzlich zusammenhält mit dem, waswir als Wiederaufstehen der Nation in politischer undsocialer Größe anerkennen und lobpreisen. Die Bestrebungen,welche das Reich begünstigt, in's Leben gerufen, sie sindüberall getragen von dem Kaufmannsſtand!

Allerdings ist Manches auf der anderen Seite erklärlichgerade aus dieser Stellung; denn alle diejenigen, welche derEntwicklung des nationalen Wesens in den letzten 6 bis 7Jahren entgegenstehen, begrüßen mit Freuden die Gelegen-heit, die ganze Bewegung in dem Kaufmannsstande anzu-greifen; und wir sehen, daß von der einen Seite dieReichsfeinde, von der andern Seite die Socialistenparteienmit allen Kräften loshämmern, die Geschäftswelt in Mißkreditzu bringen.

-

-

Aber wir dürfen uns sagen, daß, wenn auch momentaneine Mißstimmung herrscht über die ungünstige Wendung,welche das Geschäftsleben in Deutschland genommen nichtohne Verschulden aller Derer, oder doch eines großen TheilesDerer, die dabei betheiligt waren, im Gegensaße zu dengroßen Kreisen, über die die Geschichte uns berichtet, kaumeine Krisis so wenig tief, so wenig erschütternd war,wie die, welche wir eben in Deutschland gesehen. Wir habenjetzt einen Rückgang, einen Stillstand der Geschäfte, einegroße Verminderung an Werthen, die zum Theil in derImagination bestanden, die nichts destoweniger große, wirk-