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Die Geschäftswelt angesichts der Geschäftslage in Deutschland : ein Vortrag gehalten ... zu Mainz ... 1875 / von Dr. Ludwig Bamberger, Reichstagsabgeordneter
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Ich setze eine Prämie auf einen Verwaltungsrath, dervon den Aktionären ernannt ist.

Ich habe noch nie einen solchen gesehen! Er wird ge-macht von Leuten, die die Gesellschaft machen; die schlagen vor.Bei jeder künftigen Ernennung die wirklich nach denStatuten gemacht werden soll, sind es bloß die Verwaltungs-räthe, die sich selbst ernennen.

Hier beginnt von vorn herein die unwahrheit.

gins Ich erinnere mich einer praktischen Lebensgeschichte, diesehr bezeichnend ist. Dieselbe spielt in Frankreich, man kannalso ungenirter darüber sprechen, aber die Dinge sind sichso ziemlich ähnlich überall.

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Ich hatte Gelegenheit eines Tages der Sitzungeines Verwaltungsrathes beizuwohnen, wo es galt, eine Ver-waltungsrathstelle zu besetzen. Es war eine Eisenbahngesell-schaft, und da sagte ein einflußreiches Mitglied des Verwal-tungsrathes: Meine Herren, ich möchte Ihnen Jemanden vor-ſchlagen für die Stelle, thun Sie mir den Gefallen ihn gutzuheißen.Es ist ein junger Huſarenoffizier. Er liegt in einer Provinzialstadtin Garnison. Seine Schwiegermutter- ihre einzige Toch-ter war die Frau des Offiziers hat in Paris ein großesHotel. Die arme Frau, sie bewohnt es ganz allein, diearme Frau langweilt sich. Nun möchte dieser Husarenoffiziergern ſeine Demiſsion geben, um nach Paris zu kommen.Dazu braucht er einen anständigen Grund, eine Art Be-schäftigung. Der junge Mensch ist wirklich zum Verwal-tungsrath ernannt worden. Es ist dies eine wahre Geschichte;und er war nicht schlechter als die andern Verwaltungs-räthe. Er hat im Grunde dasselbe gethan, was die andernauch gethan. Er hat" ja" gesagt zu Allem, was der Direk-tor wollte, und das haben die Erfahreneren auch gethan. DasEigenthümliche des Fictiven und Falschen in dieser Organi-sation ist, daß diejenigen Leute, die allein Stimme haben,nämlich die Mitglieder des Verwaltungsrathes, in Wirklich-keit nichts zu sagen haben und daß der, der keine Stimme