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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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K. SCHORBACH

noftre fuper hunc famulum tuum, fidelem tuum, intra noftre fraternitatis habitacionemuenientem ; et ut in ea uocacione, in qua uocatus eft ftabilitus firmiter maneat, fac eumcum toto cordis ac mentis affectu te.deum omnipotentem fuper fe integra dileccione amareet proximum fuum ficut feipfum diligere, fiatque in eo fpiritus utriufque dileccionis in-fufus, fons aque falientis in uitam eternam. amen. (etc.).

Die feierliche Handlung endigte mit der Spendung des Segens (Bl. 5 a Sp. II):

Benediccio dei patris omnipotentis et filij et fpiritus fancti defcendat fuper uos etmaneat. Amen.

Der zweite Eintrag im Liber fraternitatis (Bl. 12 b Sp. II), welcher jetjt ausgefchnitten,aber in unferem Facfimile an feiner alten Stelle erßheint, führt Johann Gutenberg alsverftorben auf. Sein Nameiß, was nicht zufällig fein wird,durch befonders große Schrifthervorgehoben. Audi bei diefem Eintrag fehlt, wie gewöhnlich, einejahresangabe. Wirwiffen aber durch den Revers des Doctor Humery (vgl. Nr. XXVII), daß Gutenberg ficher vor dem 26. Februar 1468 aus dem Leben geßdiieden war. Der Todestag felbft ift nirgendsüberliefert, man kann ihn jedoch annähernd ficher zuAnfang desjahres 1468 oder vielleichtEnde 1467 anfetjen. Wo Gutenberg ßarb, ob in feiner Vaterftadt Mainz oder in Eltville, darüber fehlt ein ficheres Zeugniß. Aber mit großer Wahrfcheinlichkeit darf man Mainz als den Sterbeort vermuthen. 321 Ueber den Begräbnißort hingegen befitjen wir eine glaub-würdige Nachricht. Nach ihrer Angabe wurde Gutenbergs fterbliche Hülle in der Franzis-kanerkirche zu Mainz beigefetjt. 322 Dies Zeugniß findet fich in der 1499 von Merßetterherausgegebenen kleinen Schrift zu Ehren des Heidelberger Profeffors Marßliusab Inghen(vgl. Hain 10781) abgedruckt. Es geht hier dem bekannten Epigramm Wimpfelings aufGutenberg (Foelix Anßcare ...) voraus und befteht in der oft erwähnten fog. Grabfchrift,welche von Adam Gelthuß, einem Verwandten Gutenbergs , herrühren foll. Der Wort-laut folgender:

In foelicem artis impreßorie inuentorem.

D (eo) O(ptimo) M(aximo) S(acrum).

Joanni Genßfleijch artis imprefforie repertori de omninatione et lingua optime merito in nominis fui memoriam immor-talem Adam Gelthus pofuit offa eius in ecclefia diui FrancifciMoguntina foeliciter cubant. 323

Daß diefe Grabfchrift nicht in folcher Faffung auf einem Denkftein geftanden haben kann,verßeht ßch von felbft. Nimmt man jedoch aus obigem literarißdien Epitaphium den PaflusDOMS pofuit heraus, fo bildet diefer eine Infchrift, welche fehr wohl nach dem Brauchedamaliger Zeit auf einer Sterbtafel (von Holz, Pergament oder Papier ) angebracht ge-wefen fein kann, wie man ße an den Grabftätten aufzuhängen pflegte. 324

Gutenberg mag ßch die Kirche des heil. Franciscus, in welcher auch fchon feine Groß-mutter beigefetjt war (vgl. oben S. 101), felbft zur lebten Ruheftatt erwählt haben. 325 Sielag feinem erften Druckhaus, dem Hof zum Humbrecht, gerade gegenüber, und in demdirekt an die Franziskanerkirche anftoßenden Kloftergebäude befand ßch das Refektorium,in welchem ßch am 6. November 1455 durch Fufts Eidesleiftung die folgenfchwere Ent-fcheidung in Gutenbergs Leben vollzogen hatte. Die Klofterkirche, feit 1577 denjefuiteneingeräumt, wurde imjahrel742 abgeriffen. Mit ihr ift Gutenbergs Grabftätte für immerverfdi wunden.