Teil eines Werkes 
Bd. 1, Abth. 2 (1868) enthaltend die Lehre von der Waare
Entstehung
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Abschn, II. Da» Geld. Cap. II. Münze. §. 104. Zwangskurs u. Währung.

Scheidemünze ist bloßes Metallgeldsurrogat, aber unterjedem Währungssystem naturgemäß aushülföweise insoweit gesetzlichesZahlmittel (Währung), als die Zahlung in Courantmünze nichtoder nicht vollständig bewerkstelligt werden kann 5'), In höheremBetrage hat sie keinen Zwangskurö, sondern auch im Jnlande nurwechselnden Kurs

Der absolute Zwangskurs, welcher die entgegengesetzte Ver-einbarung ausschließt, ist verwerflich und pflegt nur bei Entartungdeö Geldwesens vorzukommen; schließt übrigens an sich eine abweich-ende Vereinbarung über den Münzwerth nur bei Zahlung einerGeldsummcnschuld, nicht beim Kauf (prötiura), Geldwechsel, Geld-

57) Das Rom. Recht hatte kein strenges WährungSsystcm, daher auch keineGrundsätze hierüber. Mommsen S. 740 Not. 21. Hultsch S, 231.Verschiedene Ansichten z. B. -Uollnaeus, trsot. commorclsr. Nr. 743,Scsccia §. 2 xl. S Nr. IIS fs. Die Reichsgesetze, (Reichs-Münz-O.v. 1659 z. II, N.A. v, 1576 §, 76) legten der Reichsscheidemünze<1 und 5krstücke) bis zum Betrage von 25 fl. NcichSmünze (nahezu 59 fl.Süddeutscher Wahrung) Zwangökurs bei, ein späterer Kreismünzreceßvon 1715 dagegen bei Forderungen über 10V fl. nur für >/z, des Be-trages: Glück XII. S. 67. Noch mehr eingeengt war die Landcsscheide-münzc (Pfennige): Schmoller, Zeitschr. f. ^taatswissensch. XVI. S.624. Einschränkung in den Wechsclgesetzen: z. B, Leipziger W.O.v. 1682 ß. 22. (s. Siexvl c. ^ c. Ii. 1), Franks. W.O. v. 1666 Z. 14und Zus. v. 1676 II., Hamb. W.O. Art. 44, Danzigcr W.O. Art. 17,AL.R. II. 3 8. 873. 883. 760 u. v. a. S. auch Scherer, Handbuchdes Wechselr. s, v.Müuze" §. 4. 7. Unten §. 105 Not. 29. Nochnach A.L.R, I. 11 §. 57. 780. I. 16 §. 77 jedoch galt die Landes-scheidemünze als gesetzliche Zahlung bis zu 10 bez. I5Thlr. Das richtigePrincip ist dann später allgemein anerkannt: Prenß. Münzges. vom30. Sept. 1821 §. 7, Prcuß, V. v. 28. Juni 1843. Dresdener Münz-convcntion v. 30. Juli 1833 Art. 12. W.M.V. v. 19. Juli 1857 §. 7. In England gilt Kupfermünze (nence, >>zllpe»ce) bis zu 1 Shillingals gesetzliches Aahlmittel, Silbermünze aber bis zu 40 Shillings. InFrankreich Kupfermünze bis zu 5 Frö. (Decrct v. 10. Aug. 1610 undGes. v. 6. Mai 1352 Art. 6), Silbermünze (2, I, Fr.). Pri-

vaten gegenüber bis zum Betrage von 50, den öffentlichen Kassen gegen-über bis zu 100 Frs, als Zahlmittel (Pariser Münzvenrag von 1865Art. 6). In den Bereinigten Staaten Nordamerika's ist dieKupfermünze (wenigstens das 3 Centstück» bis zu 60 Cts. gesetzliches Zahl-mittel, die Silberscheidemünzc (^/,, Dollar) bis zu 5 Dollars.S. oben 8- 102 a. E., unten §. 108.

53) Ravit S. 47.

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