143
näckig eine Kleinstadt blieb. Berlin konnte mit Paris oder gar London keinen Vergleich aushalten; auchgegen Wien stand es zurück, und selbst Städte wieHamburg oder Dresden wurden ihm oft als Vorbild *empfohlen. Erst nach dem Kriege von 1866, als sichmit dem reissenden Anwachsen die Auswüchse, Be-schwerlichkeiten und Gefahren der- norddeutschen Me-tropole fühlbar machten, fing man an, mehr im Ernstezu sprechen und nicht ohne Seufzen: „Berlin wirdWeltstadt!“
Aber nicht lange, und das Wort wurde lebhaftaufgenommen, mit voller Emphase, mit begeistertemPathos wiederholt, wie eine Parole ausgegeben undeifrig verbreitet. „Berlin muss Weltstadt werden!“riefen die Gründer im lauten Chor, und voll stürmi-scher Hast gingen sie an’s Werk.
Einige von ihnen — und zwar gleich die bedeu-tendsten — traten schon vor dem Deutsch -französischenKriege auf die Bühne. Sie warteten nicht einmal dasneue Actiengesetz ab; aber sie wussten von ihrenFreunden, den Manchesterleuten, dass es unterwegswar; und sie schnitten ihre Gründungen im vorausdarnach zu. Am 8. März 1870 erhob sich im Nord-deutschen Reichstage der edle Graf Renard und fragt,