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Markthallen zu erbauen, als Ersatz für di e auf öffent-lichen Plätzen stattfindenden Wochenmärkte.
Die Idee war nicht neu, sondern bereits einmalgescheiter#. Schon im Jahre 1867 erhielt Berlin durchStrousberg eine Markthalle am Schiffbauerdamm, aber dasVergnügen dauerte nur sieben Monate, und endigtedann aus Mangel an Theilnahme, wegen Abneigungdes Publikums wie der Verkäufer. Ein Kunstreiter pach-tete später die pensionirte Markthalle und verwandelte siein einen Circus. Trotz dieser üblen Erfahrung wolltedie Deutsche Baugesellschaft zwölf neue Markthallenerrichten; und der Magistrat, der seit Herrn Ober-bürgermeister Ilobrecht sehr zu Experimenten undkostspieligen Neuerungen neigt, war flink dabei; ja erwar sogar bereit, sich an der neuen Markthallen-Actien-Gesellschaft mit einem Zehntel des Capitals zu bethei-ligen. Auch der Polizei-Präsident, Herr von Wurmb,hatte seine Zustimmung gegeben; aber dessen Nach-folger, Herr von Madai, erhob Bedenken. Er fürchtete,und mit Recht, dass solche Ueberlassung der Markt-stätten an eine Privatgesellschaft führen könne zurMonopolisirung des Marktverkehrs, zur Verdrängungder Producenten durch Zwischenhändler, und so zurVertheuerung sämmtlicher Lebensmittel. Das Ministe-