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namentlich die letztere Gebühr nur klein, so habendoch verschiedene Makler, als das Geschäft noch blühte,durchschnittlich mehre Hundert Thaler Courtage anEinem Tage eingestrichen; woraus man entnehmenkann, wie riesig der Umsatz gewesen ist. Selbst heutegiebt es noch Makler, welche durch Vermittelung vonZeitgeschäften eine tägliche Einnahme von ca. 50 Tha-lern erzielen. Viele ihrer Collegen dagegen, besondersdie, welche in Industriesachen handeln, machen gegen-wärtig sehr schlechte Geschäfte.
Trotz der „miserablen Zeiten“, trotz der „drücken-den Geschäftsstille“ herrscht in einem Theile desSaals, in der südwestlichen Ecke, stets arges Gedrängeund wildes Getümmel. Es ist das Lombarden-Viertel, es ist das Reich der Coulisse und der Pfusch-makler. Hier werden nur Zeitgeschäfte gemacht, hier■werden nur Spielpapiere zu festen Coursen gehan-delt. Im Vergleich zu diesem Schauspiel ist dassonstige Treiben der Börse still und matt zu nennen.Hier wird eine Schlacht geschlagen, hier tobt einKampf wie einst vor Troja, mit lautem Rufen imStreit. Man stürzt hin und her, man springt auf dieSitze, man steht einander fast auf den Köpfen. „Werkauft Credit?“ — „Wer hat Credit?“ — „Ich nehme
G-lagau, Der Börsensclrwlndel.
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