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Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
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lichkeit der Goldproduktivn in etlichen Jahren heran-naht? Diese Bemerkung des Herrn Dr. Koch war dochvielleicht nicht ganz vorsichtig.

Eigenartig ist der Gedanke, den Herr Dr. Koch hieranregt,So verfahren keine geschickten Unterhändler, daßsie das Aeußerste den Bimetallismus gleich zugestehn."Als ob es sich hier um ein mehr oder minder handele,wo nur ein Ja oder Nein in Betracht kommt. Man kanneben nur mit demEndziel des Bimetallismus" verhandeln,oder man läßt die Verhandlungen überhaupt.Aber Eng-land ? Wenn wir bereit sind, zum Bimetallismus über-zugehen, so wird z. B. England schwerlich bereit sein."Ich weiß nicht, wie Herr Dr. Koch das auffaßt. Wennwir erklären, nureinschließlich England " den Doppel-währungsvcrtrag anzunehmen, wie kann das England glauben lassen, daß wir es bei der Goldwährung lassen?Im Gegentheil, ein Argument der englischen Goldpartei,das z. B. noch Gladstone 1893 im Unterhaus anführte,ist, daß wenn auch England den Bimetallismus wollte,andere Mächte, z. B. Deutschland bei der Goldwährungblieben. Es wäre also doch sehr nützlich, wenn die Mächtefest und bestimmt erklärten, daß der Bimetallismus eineKulturaufgabe ist, welche alle Staaten gemeinsam zu lösenhaben und zu deren Lösung alle bereit sind, sobald Eng-land sich hierzu entschließt. Nichts wäre geeigneter denAnschluß Englands zu beschleunigen, während Dr. Kochmerkwürdigerweise das Gegentheil behauptet. Selbst unterder jetzigen englischen Negierung empfiehlt sich diesesVorgehen, denn wenn auch von dieser, so lange HarconrtSchatzkanzler ist, so wenig Zugeständnisse für den Bime-tallismus zu erwarten sind, wie etwa von Deutschland ,wenn Herr Dr. Koch Reichskanzler würde, so müßte dochbei den Stimmverhältnissen im Unterhause ein ablehnendesVerhalten der englischen Regierung auf einer inter-nationalen Wühruugskonferenz zum Sturz der jetzigen Re-gierung führen, der allerdings vermuthlich auch sonst undschon vorher eintritt. Die Neuwahlen in England aberwerden die bimetallistische Mehrheit im Unterhaus erheblichverstärken, setzte doch die englische Bimetallisten-Liga bei den

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