Druckschrift 
Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

13

Weise ist jene Denkschrift aufzufassen. Eigenthümlich istes, daß der Bankpräsident, unter welchem Deutschland vonder Silberwährung zur Goldwährnug überging, diesenSchritt für einen verhängnisvollen Fehler hielt. Herrvon Dechend hat diesen und viel schärfere Ausdrücke mirgegenüber gebraucht. Ich habe es bisher nicht für richtig ge-halten, diese persönlichen Dinge zur Erörterung zu ziehen,allein die bestimmte Erklärung des Herrn vr. Koch, daßHerr von Dechendkeineswegs Anhänger der Doppel-währung war", nöthigt zu dieser Klarstellung. Herr vonDechend selbst hielt es mit seiner hohen Stellung nichtvereinbar, irgendwie öffentlich in der Währungsfrage mitAnsichten hervorzutreten, welche von der Regierungsauf-fassung abwichen, er äußerte sich deßhalb in jener Denk-schrift und im Reichstage nur in Gemäßheit der An-weisungen, die er vom Reichskanzler erhielt. In Privat-unterhaltungen dagegen hat Herr von Dechend aus seinenbimetallistischen Anschauungen nie einHehlgemacht. Vielleichtwird Deutschland den Uebergang von der Goldwährungzum Bimetallismus auch wieder unter einem diesem Schrittabholden Neichsbankpräsidenten vollziehen.

Interessant ist die Bemerkung des Herrn Dr. Koch,daß es damals, (also 1882)noch mit der Goldwährungschlecht bestellt war". Warum? Silber besitzen wir heutnoch soviel wie damals, nur unser Goldvorrath istinzwischen gewachsen können wir dieses Gold nichtwieder verlieren? Dann wäre unsere Goldwährungdemnach wieder ebenso schwach bestellt wie 1882. Istdas ein dauerhaftes Gcldsystem, dessen Stärke der-gestalt davon abhängt, ob günstige, von unserem Ein-fluß unabhängige Zufälle ein paar hundert MillionenMark Gold ins Land bringen oder nicht? Herr vr. Kocherwähnte den Sieg der Silberpartei in den VereinigtenStaaten . Wie nun, wenn dort die Goldpartei siegtund durch große Anleihen das europäische Gold heran-zieht. Dann würde Deutschland recht schnell auf denGoldbesitz von 1882 zurückfallen, namentlich in Hinblickauf den starken industriellen Goldkonsum in Deutsch-land . Und wie, weun das Ende der jetzigen Herr-