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festere als heute, und ich wüßte nicht, was passirt wäre,wenn Herr von Dechend in derselben Weise mit seinenAuffassungen hervorgetreten wäre, wie wir das jetzt erlebthaben. (Zuruf rechts: Rommel!) Ja, meine Herren, wieman aber damals in den Goldwührungskreisen über denBankpräsidenten dachte, dafür darf ich mir ein Wort desHerrn Dr. Bamberger über Herrn v. Dechcnd erlaubenvorzulesen. Herr Bamberger sagte:
Manch Einer— das geht auf den Fürsten Bismarck —
konnte ja seiner ganzen Denkart nach versuchtsein, einen Moment lang den sogenannten Prak-tikern, welche sich durch eine natürliche Verachtungaller Kenntnisse legitimirten, seinen Glauben zuschenken.
Aus dem folgenden Satze geht hervor, daß dies auf denReichsbankprüsidenten v. Dechend geht. Meine Herren,so unhöflich würde ja heutzutage von der bimetallistischenSeite selbstverständlich nicht über die Qualifikation einesReichsbankpräsidenten gesprochen werden. (Heiterkeit!)"
Ich möchte nun hier noch eine Bemerkung anfügenüber die vielbesprochenen Vermittelungsvorschlnge desHerrn von Dechend. Aus zuverlässiger Quelle weiß ichhierüber Folgendes: Nach dem Scheitern der Pariser Münz-konferenz von 1881 erschien der bekannte englische FinanzierGoschen in Berlin und wurde vom Fürsten Bismarckempfangen. Zu der Unterredung war der Finanzministervon Scholz und der Reichsbankpräsident von Dechend zu-gezogen. Die Ausführungen des letzteren machten damalsam meisten Eindruck auf den Reichskanzler und dieserwar es, der Herrn von Dechend veranlaßte, seine An-sichten in einer Denkschrift niederzuschreiben und zu ver-öffentlichen. Diese Denkschrift war deßhalb mehr als eineprivate Meinungsäußerung, sie war ein vom Reichskanzlergebilligter Vermittelungsversuch zu einer Zeit, wo bei derHaltung Englands und dem bestimmten Wollen desFürsten Bismarck nicht ohne England die Doppelwährunganzunehmen, eben nur in vermittelnder Weise ein prak-tisches Ergebniß gefunden werden konnte. Nur in dieser
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