— 21 —
noch nie eine ernste Probe bestand nnd auch keine be-stehen könnte?
Japan hat soeben Dank seiner Silberwährung, einengroßen Krieg ohne ausländische Anleihe geführt.Auch das erinnert an die Kriege Preußens 1864, 1866,1870, die mit der Silberwährung geführt wurden — stehtDeutschland mit der Goldwährung ebenso gerüstet da?Ich möchte nicht an der Stelle des Leiters der Reichsbanksein, wenn die Goldwährung die Feuerprobe bestehen soll.Geschieht das, solange Herr Dr. Koch an jener Stellesteht, so würde er wegen seines Eintretens für die Gold-währung eine schwere Verantwortung tragen, wenn,woran leider nicht zu zweifeln ist, unsere Valuta zusammen-bricht.
Herr Dr. Koch wird mit mir darin einig sein, daßsein Amtsvorgänger, Herr von Dechend, sich die größtenVerdienste dadurch erwarb, daß er 1866 die von derllauts llrmuos, namentlich von Frankfurt a. M. aussystematisch betriebenen Angriffe gegen die preußische Va-luta abschlug. Es gelang ihm das, indem er einerseitsmit großen Kosten erhebliche Silbermassen ans dem Aus-lande heranzog und andererseits die Einlösung der Notendadurch verlangsamte, daß er mit Fünfsilbergroschenstücken— einer damals absolut vollwerthigen Münze — einlöste.Beide Mittel versagen heut. Gold würde im Kriegsfallauf keinem Markt der Welt aufzutreibeu sein und Zehn-markstücke werden 20mal so schnell aufgezählt wie diealten Silbermünzen — würde aber die Reichsbank ihreNoten jetzt mit Silber einlösen, so wäre das Gvldagiosofort da. Die Leitung der Reichsbank mnß doch un-zweifelhaft solche kritischen Zeiten vorgesehen haben, dieAnschauungen des Herrn von Dechend hierüber sind inpolitischen Kreisen sehr bekannt, sollte Herr Dr. Koch dieseGefahren gar nicht würdigen?
Wenn der Ausdruck „Volkstümlichkeit" für dieGoldwährung üherhaupt in gewissen weiteren Kreisen nochzutreffen sollte, so liegt das daran, daß man hier Münz -und Währungsfrage verwechselt. Unsere Münzrcform hatuns ein bequemes, einheitliches Geldwesen gebracht, das