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mit Recht beliebt ist. Das hat aber nichts mit der FrageGoldwährung oder Bimetallismus zu thun. Es ist auchso eines der irreführenden Kampfmittel der Goldpartei,daß sie statt Bimetallismus, d. h. Gold- und Silber-währung, einfach Silberwährung setzt, worunter dasPublikum Verlust des bequemen Goldgeldes, Rückkehr deralten Zeit mit schwerem Silbergeld, womöglich mit „wil-den Scheinen" versteht und entrüstet die „Errungenschaft von1870", die bewährte Goldwährung, gegen den „agrarischenAnsturm" vertheidigt — die Wahrheit ist, daß der Bime-tallismus im Münzumlauf absolut keine Veränderung hervor-rufen würde, es würde weder Gold abfließen, noch der Ver-kehr mit zu viel Silber belästigt werden. Silberpräguugenwie Goldprägungen würden, soweit sie die Umlaufs-bedürfnisse übersteigen, immer in die Reichsbank stießen.Starke Silberprägungen könnten nur reichliche Noten-deckung, diese billigen Diskont und auf Grund des nie-drigen Diskonts vermöge desfen Einwirkung auf dieWechselkurse Abfluß von Gold oder Silber — die Wahlstünde uns frei — in die übrigen, ebenso wie wir, biine-tallistischen Länder bewirken.
Wenn die Anhänger der Goldwährung und wenninsbesondere ein Mann von den praktischen Erfahrungendes deutschen Reichsbankpräsidenten sich nur einmal denBimetallismus als vollzogene Thatsache und in vollerThätigkeit vorstellen wollten und alle unbestrittenen Gesetzedes internationalen Geldverkehrs auf ihn anwendeten, dieKlarheit müßte kommen und die Haltlosigkeit aller gegenden Bimetallismus vorgebrachten Einwände würde Jeder-mann einleuchten.
Herr Dr. Koch spricht weiter von „manchen maßlosverurteilenden, aufreizenden Schlagworten, welche aneinem anderen Ort kürzlich gefallen sind"— er bezeichnet denOrt nicht, es steht also nicht fest, wer hier gemeint ist.Wenn der Herr Reichsbankpräsident aber objektiv urtheilt,so wird er zugestehen müssen, daß Aufreizung und Maß-losigkeit von der Goldwährungspresse in einer Art geübtwird, daß dagegen die schärfste Sprache der Bimetallistenmilde wäre.