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es ist bedauerlich, daß Herr Dr. Koch das nicht durch-schaut. Wenn wegen Krieg und Revolution das Geld-system eines Landes gänzlich zerrüttet ist, dann soll daseine Exportprämie sein und das ganz im Elend ver-kommende Land soll cxportiren! Als nun in Argentiniender Frieden hergestellt war, gelang es auch (1866—76)die Silberwährung aufrecht zu erhalten, indem das alte,entwerthete Papiergeld im Verhältniß von 25 :1 in Silbereingelöst wurde. Im Jahre 1876 war es zum guten Theildie Silberentwerthung — in dieses Jahr fiel die ersteSilberpanik —, welche die Ordnung des argentinischenGeldwesens über den Haufen warf und erst nach lang-jährigen Schwankungen gelang endlich Ende 1884 die1881 beschlossene Herstellung einer Art Goldwährung, dieaber eigentlich nie thatsächlich bestand, denn bereits am9. Januar 1885 wurde der Zwangskurs dckretirt. Wannnun die Zeit war, „wo in Argentinien Gold und SilberPari stand und eine starke, außerordentlich vermehrte Aus-fuhr stattfand" — wie Herr vr. Koch angiebt — das istmir nicht bekannt. Die Steigerung der argentinischenAusfuhr fand nach 1885, also unter der Herrschaft desGoldagios statt, das im April 1885 bereits bis 65 pCt.stieg, 1886 bis 11 pCt. sank, dann aber beständig zuuahm,bis im Jahre 1890 die große Krisis kam, die mit der be-trächtlichen Steigerung des Goldagios endete. Seitdemmacht sich die argentinische Konkurrenz verschärft geltend.
Wäre nun die Entwickelung in Argentinien dieselbegewesen ohne die Goldwährung? Wahrscheinlich nicht.Vielleicht wäre der befriedigende Zustand von 1866—7tierhalten geblieben, vielleicht hätte die Münzreform von1881—84 nicht mit einem so schnellen Zusammenbruchgeendet, wenn nicht Gold, das gerade damals am knappstengewesen, sondern Silber und Gold der Baarzahlung hättenzu Grunde gelegt werden können. Auch wäre wohl nichtjene Ueberspekulation eingetreten, die zum Krach von1890 führte und zum guten Theil der Wuth der euro-päischen Kapitalisten nach hochverzinslichen Goldpapierenzuzuschreiben ist. Bei der Goldprämie bildet doch nebenden heimischen Kreditverhältnissen auch der Goldwerth auf