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Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
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Valuta haben, welche durch schlechte Finanzwirthschaftdem Zwangskurs verfallen sind und nicht zu geordnetenFinanzen zurückkehren könnein Unter der Goldwährungbleiben auch solche Staaten unter dem Zwangskurs, welcheihre Finanzen in Ordnung brachten, aber nicht stark genugsind, um Gold heranzuziehen und zu behaupten. Spanien ,Italien, Oesterreich-Ungarn, wahrscheinlich auch Rußland ,würden unter dem Bimetallismus Metallstaaten werden,unter der Goldwährung wird es immer wie bei Italien nur zu Experimenten kommen, die nicht gelingen können.Die Goldwährung kann nicht verallgemeinert werden, unddie Theilung der Welt in wenige Gold- und viele Silber-und Papierwährungsländer wird schließlich unerträglichwerden gerade sür die Goldlünder.

Die Industriellen müssen die üblen Folgen der Valuta-Differenzen in steigendem Maße empfinden und thatsächlichwächst die bimetallistische Partei gerade in den industriellenKreisen mehr und mehr. Die Preßverschwörung und derBankeinfluß hat hier noch vielfach hemmend gewirkt, alleingerade die Art, wie der Herr Reichsbankpräsident dieseSeite der Frage behandelt hat, wird den Bimetallistensicher neue Anhänger verschaffen. Herr Dr. Koch sagt:

,,Nun, meine Herren, wie die Industrie im Großenund Ganzen über die Währungsfrage denkt, wissen wirja aus den Beschlüssen des Handelstages, in dem alleHandelskammern vertreten sind, und damit auch die In-dustrie."

Herr Dr. Koch scheiut über die Stellung der Industriezum Handelstag und über das Handelskammerwesen dochauch uicht ganz richtig informirt zu sein. Die Industrieerkennt weder dert Handelstag noch die Handelskammernals ihre Vertretung an. Beide waren noch ganz über-wiegend schroff - freihändlerisch, als die Industrie in ihrergroßen Mehrheit längst für Schutzzoll eintrat. Die bimetal-listische Stimmung ist in industriellen Kreisen stark imWachsen und beschränkt sich nicht auf diejenigen, welchenach Silberländern cxportiren. Ein Theil tritt aus vollerUeberzeugung ohne eigenes Interesse für Bimctallismusein, ein anderer Theil wünscht keine Trennung zwischen