Druckschrift 
Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
Entstehung
Seite
66
Einzelbild herunterladen
 

66

scheu Delegirten stand, das entsprach nicht ganz derUeberlegenheit, welche die russische Diplomatie sonst geradeauch auf finanziellem Gebiete zeigt. Rußland hat indessenseitdem unzweifelhaft über die Bedeutung des Silbersandere Erfahrungen gemacht. Die Erfolge Japans nichtnur auf militärischem, sondern auch auf industriellem Ge-biet, lassen die Beseitigung der Silberentwerthuug für eineinAsien so besonders stark engagirte Großmacht wie Rußland ganz besonders wünschenswert!) erscheinen. Die bime-tallistischen Stimmen aus Rußland mehren sich deshalbund die Haltung Rußlands dürfte auf der Berliner Münz-konferenz eine andere sein wie auf der Brüsseler.*) Jeden-falls hat Rußland kein Silber, das es abstoßen könnte,und wenn es außerhalb des bimetallistischen Bundes bliebe,so würde es wohl auch nicht mehrGoldals jetzt ansichzuziehenvermögenhält es doch dieses Gold nur fest, weil es denZwangskurs hat, wollte es diesen aufgeben, so würdemit oder ohne Bimetallismus das Gold abfließen. Nurwenn Rußland nach Durchführung des Bimetallismusdas dann wieder vollwerthige Silber zu Hülfe nimmt,wird es der Möglichkeit der Baarzahlungen näher tretenkönnen. Silber ist für die russischen Verkehrsbedürfnisseund für den russischen Handel mit Asien unentbehrlich, einauf Gold errichtetes Geldsnstem wäre ein in der Luft ge-bautes Kartenhaus, irgend ein Windstoß und die Herrlich-keit bricht zusammen.

Ueber Oesterreich-Ungarn urtheilt der deutsche Neichs-bankvräsident wie folgt:

Oesterreich hat die Goldwährung durch Gesetz einge-führt und ein bedeutendes Goldquantum angesammelt. Eswird nicht zu lange dauern, daß man sich dort entschließt,zur Baarzahlung überzugehen."

Hoffentlich ist man in Wien und Pest vorsichtiger wiein der Leitung unserer Reichsbank. Die österreichisch-

*) In neuester Zeit ist der bimetallistischen Idee in Professor Sokalskiin Charkow ein eifriger Vorkämpfer erstanden, ferner schrieb StanislausSkarzinski. Erwähnt sei noch, daß die Polen durchweg bimetallistischsind, der Krakauer Professor und österreichische Reichsrathsabgcordnetevon Milcwski verdient hier besondere Hervorhebung.