— 67 —
ungarischen Goldvorräthe — eine kleine Reserve für etwaigeNothfälle — sind für die Baarzahlungen ganz ungenügend,jeder übereilte Versuch würde den Abfluß des Goldes unddas Fiasko des ganzen Vorgehens bringen. Nach denitalienischen Erfahrungen wird man sich an der Donau Zeit lassen. Der ganze unbegreifliche Währungs-Optimis-mns des Herrn Dr. Koch spricht auch aus diesenWorten. Zum Glück für Oesterreich haben die starkenValutaschwankungen des letzten Jahres dort sehr klärendgewirkt. Es wird noch recht lange dauern, ehe man denSprung ins Dunkle der Baarzahlungen macht. Ich hatteim Vorjahr Gelegenheit, die maßgebenden Persönlichkeitenin Wien und Pest zu sprechen und fand sie erheblich besserüber die Sachlage unterrichtet, als es Herr Dr. Kochoffenbar ist, wenn er glaubt, daß es nicht mehr langedauern wird, bis man die Baarzahlungen aufnehmenwird. Uebrigens waren jene maßgebenden Persönlichkeitendurchaus keine Goldschwärmer, sie waren der richtigenAuffassung, daß es für Oesterreich-Ungarn nothwendig sei,die gleiche Währung zu haben wie Deutschland , mit dem°/4 seines Verkehrs stattfindet — jeder Schritt Deutsch-lands in bim etallisti scher Richtung darf auf die vollsteUnterstützung Oesterreich -Ungarns rechnen, das dann undnur dann bald und erfolgreich die Baarzahlungen auf-nehmen wird. Die österreichische Goldwährung ist eineIllusion der „Neuen freien Presse " und des deutschenReichsbankpräsidenten, an die sonst kaum jemand ernsthaftdenkt, sie würde keinen festeren Bestand haben, als dierussische Goldwährung. Die Aufrechterhaltung der Gold-währung ist nur für reiche, an das Ausland nicht ver-schuldete Staaten möglich, solange diese geneigt sind, denunnützen Luxus mit ihrem wirthschaftlichen Niedergang zubezahlen.
„Sogar Chile geht im nächsten Monat zur Gold-währung über", ruft mit Hochgefühl Herr Dr, Koch. Voreinem Jahrzehnt hätte er denselben Triumph der Gold-währung in Argentinien verkündet! Der Erfolg wird inChile derselbe sein wie in Argentinien, eine kurze Freude,ein großer Krach, steigendes Goldagio und schließlich, wenn
s*