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dann dieses Goldagio chilenische Ausfuhrbegünstigungenschafft und chilenischer Weizen auf unseren Märkten zu denniedrigsten Preisen erscheint — dann beweisen die Gelehr-ten der Goldpartei, daß das mit der Währungsfrage nichtszu thun habe, die „Nationalzeitung" bringt ein paar Ar-tikel darüber und der deutsche Reichsbankpräsident weist,gestützt auf diese, nach, daß der chilenische Weizen so wenigwie der argentinische ein „Währungsweizen" sei.
Wie merkwürdig aber stellt sich Herr Dr. Koch dieweitere Entwickelung vor?
,,Nun soll eine Reihe großer Staaten, die allmählichzur Goldwährung, wenn auch zum Theil nur zur „hinken-den" Goldwährung gelangt sind, plötzlich dieses Systemaufgeben und ein mindern?erthiges System annehmen.Das ist eine eigenartige Zumuthung, der sich die Staatennicht fügen werden."
Welche Länder sind denn zur Goldwährung, wennauch nur zur hinkenden, wirkich gelangt?Rußland , Oesterreich,selbst Chile, sowenig wie Indien oder Italien . Und wassoll der Ausdruck, „minderwerthiges System" bedeuten?Das bimetallistische System halte ich für das höherwerthige,denn es kann allein das Münzsystem wieder fest begründen.Japan mit seiner Silberwährung konnte einen Krieg ohneAnleihe, ohne Erschütterung seiner Valuta durchmachen.Kein Land, selbst England nicht, vermöchte das unter derGoldwährung. Deshalb sind ja alle Staaten bereit, die„eigenartige Zumuthung" gutzuheißen, wenn nur England und Deutschland diese stellten. Ueber England äußert sichHerr Dr. Koch äußerst merkwürdig, er sagt:
„Aber England wird sich schwerlich dazu entschließen.Ich will nicht leugnen, daß dort auch eine starke durchSilberinteressen bestimmte,' bimetallistische Bewegungbemerkbar ist, die hauptsächlich der Deputirte für Laucashireleitet. Aber andererseits habe ich vielfach aus England gehört, daß die eigentlich herrschenden Kreise nichtfür den Bimetallismus gestimmt sind. England würdegern sehen, wenn andere Staaten dazu übergehen, sichselbst aber kaum darauf einlassen."
„Die eigentlich herrschenden Kreise" ist eine für die