Druckschrift 
Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
Entstehung
Seite
73
Einzelbild herunterladen
 

73

ist, nicht genügend kannte. Allein unter Bimetallisten isteben die Relationsfrage keine Prinzipienfrage und kannauch keine sein, denn wenn die Anschauung der Bimetallistenrichtig ist, so muß eine vertragsmäßige Doppelwährungjedes Werthverhältniß, nicht nur ein bestimmtes, fixirenkönnen. Herr Or. Koch fragt allerdings, ob überhauptein gesetzliches Werthverhältniß zwischen Silber und Goldaufrecht zu erhalten sei. Diese Frage zu erörtern, halte ichnicht für erforderlich. Wen das einstimmige Votum dergroßen englischen Enquete und dessen Begründung nichtüberzeugt, der ist keiner Beweisführung zugänglich. GegenGlaubenssätze ist nicht anzukämpfen und zu diesen Glaubens-sätzen gehört für einen Theil der Manchesterschule der Satz,daß Gold und Silber so wenig wie Heu und Stroh oderHolz und Kohle in ein festes Werthverhältniß gebrachtwerden können. Es ist jetzt bald dreißig Jahre her, daßder scharfsinnigste deutsche Manchestermann Prince-Smithauch vom manchesterlichen Standpunkt aus das gänzlichIrrige dieser Auffassung nachwies, zu der sich noch heuteder deutsche Reichsbankpräsident bekennt. Professor Lexisbezeichnete einmal das Gegentheil der Dr. Koch'schen Auf-fassung, nämlich die bimetallistische Theorie, daß ein festesWerthverhältniß herstellbar ist, alswissenschaftlich bewiesen".Ein internationaler Bimetallismus ist überhaupt nochniemals versucht", sagt Herr vr. Koch weiter es hataber auch noch nie vor 1873 eine Demonetisation des Silbersstattgefunden und man hat noch nie versucht, mit deralleinigen Goldwährung in der Welt auszukommen. Erstin Folge dieses unglücklichen Experiments ist jenesSchwanken des Silberwerths eingetreten, das für eineinzelnes Land die Doppelwährung bedenklich erscheinenläßt. Jedes Bedenken aber schwindet, wenn eine Reihegroßer Staaten eine gemeinsame Doppelwährung, also deninternationalen Rimetallismus, einführt. Man mag hier-gegen einwenden, die Staaten werden sich nicht hierübereinigen was fürchtet man dann, da ja dann überhauptnichts geschieht? Die Heftigkeit, mit der der internationaleBimetallismus bekämpft wird, beweist, daß die Gold-währungspartei sein Zustandekommen wohl für möglich