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Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
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tallistische Staaten das Gold verlieren, vielleicht außer Eng-land denn wenn noch ein Land außer England dasGold behaupten könnte, müßte es doch Deutschland seiu!Wenn also alle Staaten das Gold bei Doppelwährungverlieren, welchen Goldmangel, welche Goldvertheuerungbewiese das für die Goldwährung? Wie kann man einer-seits behaupten, daß alle Welt in Gold schwimmt, daßGold in Hülle und Fülle da ist, daß die Goldproduktioneine starke bleiben und noch weiter wachsen wird, daß einLand nach dem andern die Goldwährung erlangen wird all' das hat Herr Dr-. Koch ja im Anfang seiner Rede,entwickelt und nun am Schluß fließt das Gold überall ab,unbekannt wohin, muß also doch so knapp sein, daß all-gemeine Goldwährung ein Verbrechen an der Menschheitwäre.

Entweder man giebt zu, daß Gold knapp ist oderman kann nicht behaupten, daß der Bimetallismus dergeldmächtigsten Länder der Welt mit einem Abfluß in bishernoch unentdeckte Länder der Welt endet. Auch hier hatdie Aenderung der Produktionsverhältnisse der Edelmetalledie Lage gänzlich verändert. Wie die Abnahme und dastheilweise Erlöschen der Silberproduktion die Furcht vorder Silberüberschwcmmung beseitigt, so sichert die Zunahmeder Goldproduktion uud der Goldbestände vor Goldabflußund Goldagio. Gerade die jetzige Zeit starker Goldproduktionist deshalb die geeignetste für den Uebergang zum Bimetal-lismus', läßt man sie ungenützt vorübergehen, nähern wiruns der Erschöpfung der Goldproduktion, die ja doch fürjeden Einsichtigen nur eine Frage der Zeit ist, so wird dieWiedereinsetzung des Silbers um so nöthiger, der Ueber-gang aber würde sich nicht so leicht und sicher vollziehenwie jetzt. Gerade diejenigen, welche für Stabilität desGoldwesens eintreten, müßten, wenn sie weniger verblendetwären, den Bimetallismus ebenso eifrig fördern, wie sieihn bekämpfen. Nur der Bimetallismus kann uns ohneernste Störungen des Goldwesens in die Zeit hinüber-leiten, wo Gold seiner Knappheit wegen als Geldmetallkaum noch in Betracht kommt. Allerdings haben die Ver-treter der Goldwährungspartei in der Silberkommission