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Herr vr. Koch erklärt:
„Das wirtschaftlich mächtigere Volk, vielleicht England ,würde es vielleicht verstehen, das Gold an sich zu halten,welches nun einmal in der allgemeinen Werthschätzung vielhöher steht als Silber. Uns aber, dem minder reichenLande, würde man das Gold abgezogen haben; dasSilber würden wir übrig behalten. Dies wäre das Er-gebniß des großen Münzbundes."
England allein behält also Gold — Frankreich, dieVereinigten Staaten, Holland, Italien, Oesterreich-Ungarn n. s. w., u. s. w. sind ja entweder schwächer oder nichtstärker als wir. Herr Dr. Koch nennt auch ausdrücklichnur England . Ja, wieviel Milliarden Gold müßte dennEngland, das mit uns bimetallistische England da auf-nehmen? Da müßte man ja die Pennystücke aus Goldmachen. Und warum kann bei gleichen WährungsgesetzenEngland uns Silber schicken und sich Gold nehmen? Wiekann derselbe Währungswechsel, die gemeinsame Doppel-währung uns mit Silber überfluthen und England allesGold verschaffen? Wie sehr widerspricht es der ganzen Anschau-ung, die Herr Dr. Koch über die mächtige Stellung Deutsch-lands Dank der Goldwährung ausgesprochen, daß wirnun plötzlich das „minder reiche Land" sind. Läge nichtder Gedanke nahe, daß Deutschland nachdem es sich fürstark genug hielt, die Goldwährung einzuführen, auch starkgenug ist, ebenso wie England , das Gold festzuhalten, javielleicht als „wirthschaftlich mächtigeres Volk" es — unsernbimetallistischen Verbündeten abzunehmen.
Ich muß gestehn, daß unter allen wunderbaren Ein-würfen gegen den Bimetallismus dieser Original-Gedankendes Herrn Reichsbankpräsidenten einer der wunderbarste» ist.
Man nenne die Länder, in welche das Gold abfließenkann, man setze auch hier bestimmte Angaben, statt der all-gemeinen Redewendungen. Die wichtigsten Goldländersollen oder müssen mit uns das Gold verlieren und mitSilber überschwemmt werden, da muß man uns angebenund nachweisen, woher stammt das Silber, wohin fließtdas Gold.
Und wenn es wirklich richtig wäre, daß alle bime-