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über Silberbedarf und Silberproduktion, aber nicht mitbloßen Behauptungen, sondern mit thatsächlichen Angaben.Sollen die großen Silbermassen etwa aus anderen bime-tallistischen Staaten zu uns gelangen? Hier war derReichsbankpräsident denn doch so vorsichtig, nicht der Gold-währungspresse zu folgen, die behauptet, das französischeSilber würde uns überfluthen und unser Gold würde nachFrankreich fließen, während die französischen Goldleute um-gekehrt jammern, daß der Bimetallismus nur eine deutscheTücke sei, um gegen deutsches Silber das französische Goldnach Berlin zubringen. Beides kaun wohl nicht gleichzeitigzutreffen! HerrOr.Koch weiß natürlich, daß zwischen Ländern,in denen das gleiche Edelmetall unbeschränkt prägbar ist,Edelmetallsendungen nur möglich sind, ivenn die Wechsel-kurse dies zulassen. Die Sendungen würden sonst Verlustbringend sein, und da Niemand einen Vortheil hätte, beidem überall gleichen Werthverhältniß beider Edelmetalle,das eine gegen das andere auszutauschen, so ist völligausgeschlossen, daß ein bimetallistisches Land dem anderenSilber gegen Gold oder Gold gegen Silber entziehen kann.Man kann heut nicht Gold ohne Verlust von Deutschland nachFrankreich schicken, außer wenn die Wechselkurse gegen Deutsch-land stehn und man kann in der bimetallistischenZukunft wederGold noch Silber von Deutschland oder nach Deutschland von oder nach einem bimetallistischen Land senden, ohnedaß die Wechselkurse dies zulassen. Das sind national-ökonomische Binsenwahrheiten und doch braucht man sienur zu verstehen und anzuwenden, um zu erkennen,wie völlig unhaltbar die meisten Einwürfe gegen Bime-tallismus sind.
Wohin aber soll unser Gold abfließen? Diese Fragebleibt stets unbeantwortet. Nur Professor Lotz versuchtees einmal in der Silberkommission, der Versuch mißglückteso, daß Niemand eine ernsthafte Entgegnung für nöthighielt. Herr Dr. Koch versucht auch seinerseits eine Erklärung,und diese ist das einzige Neue, was mir in der ganzenRede auffiel. Für alle sonstigen Bemerkungen lassen sichdie Belegstellen, (zumeist aus der „Nationalzeitung") sehrleicht beschaffen.