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Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
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Diskont mag die Verdienste der Banken einschränken, fürdie Volkswirthschaft ist er ein Segen. Ich würde es des-halb begreifen, wenn ein Direktor einer Privatbank ausAngst vor niedrigeren Dividenden seiner Bank Zinsfuß-bewegungen alsungesund" bezeichnet, die in Folge Baar-anhäufungen entstehen. Allein der Präsident der DeutschenReichsbank kann solchen Erwägungen doch nicht Raumgeben, für ihn müssen doch die Allgemeininteressen aus-schlaggebender sein als die Dividenden-Interessen der An-theilseigner der Reichsbank und es ist deshalb schwer be-greiflich, wie er vonungesunden Zinsfußbewegungen" indiesem Zusammenhang sprechen konnte. Wenn die Frageder Verstaatlichung der Reichsbank wieder auf die Tages-ordnung kommt, wird diese Bemerkung des Herrn Reichs-bankpräsidenten nicht unbeachtet bleiben dürfen und dahingestrebt werden müssen, daß die Reichsbankleitung nichtdie gesnndeste Zinsfußbewegung, die des thunlichst niedrigstenDiskonts, für ungesund erklärt. Man sage einmal denEngländern, daß ihr Bankdiskont von 2 vCt., den wir inDeutschland noch nie erlebt haben,ungesund" wäre undman frage unsere Industriellen, ob sie es für ungesundhielten, wenn unser Diskont ebenso niedrig wäre wie derenglische. Die englische Konkurrenz schlägt häufig diedeutsche Industrie nur mit Hülfe des niedrigeren Zinsfußes.

Daß die Banquiers, die Privatbanken ein Interessean höherem Zins haben und daß deshalb für diese Kreisedie Furcht vorungesunden Zinsfußbewegungen" einer derGründe der Gegnerschaft gegen den Bimetallismus seinkaun, ist möglich, aber doch für "die Reichsbank nicht maß-gebend. Als ein hübsches Beispiel nach dieser Richtunglas Herr Wülfing in der Silberkommission das Folgendeüber den Jahresbericht der Baierischen Notenbank vor,deren Direktor Dr. Stroell, einer der schärfsten Gegner derBimetallisten in der Silberkommission war:

Die Direktion der Bayerischen Notenbank in München erläutert ihren Rechnungsabschluß für das Jahr 1893 mitfolgenden Bemerkungen: Das verflossene Geschäftsjahr ver-lief in seinen beiden Semestern sehr ungleichartig. Nach-dem der Geldmarkt während der ersten sechs Monate eine

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