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vollkommen ruhige, fast lethargische Haltung aufgewiesenhatte, änderten sich diese Verhältnisse im Hochsommer ganzplötzlich. Die österreichische Valutaregulirung. die weitereDevalvirung des Silbers, serner die kritisch gewordenenmünzpolitischen Verhältnisse Italiens und Amerikas erzeugteneine Spannung, die in rasch steigenden Zinssätzen ihrenAusdruck fand und auch den ganzen Spätherbst über, ver-mehrt durch die Geldbedürfnisse der Jahreszeit, anhielt.Erst zu Beginn des laufenden Jahres hat sich diese Span-nung gemildert und normaleren Verhältnissen Platz gemacht.Die aus diesem Umstände sich ergebende lukrative Verwen-. dung der Betriebsmittel der Bank führte zu einem günstigenJahresresultat. Es wird beantragt, die Dividende pro 1893auf 7 Prozent festzusetzen. Die Gunst der Umstände hates ferner ermöglicht, den Delkredere-Konto, der durch dieHeßleinsche Unterschlagung aufgezehrt war, sogar mitUeberschuß zu ergänzen. Auch die übrigen bilanzmäßigüblichen Rückstellungen konnten theilweise selbst in höherenBeträgen als in den Vorjahren bethätigt werden."
„Sie sehen, meine Herren," fügte Herr Wülfing hinzu,„was der Industrie und der Landwirthschaft schadet, nütztder Bank und dem Kapital."
Zeigt der Bericht der Baierischen Notenbank dasdirekte Interesse der Bankwelt an der Goldwährung, soläßt sich doch nicht verkennen, daß das Kapital außer-ordentlich kurzsichtig ist, daß es aus ganz unbegründeterAngst vor einer Geldentwerthuna nicht erkennt, daß denVortheilen, die ihm die Goldwährung bringt, auch sehrernste Nachtheile gegenüberstehen. So liegt in demDaniederliegen der Produktion die Ursache der geringenKapitalsnachfrage und mithin des sinkenden Zinsfußes,während bei Bimelallismus die Belebung der Geschäfte dieKapitalsnachfrage steigern würde, und der Zinsfuß mithintrotz der vermehrten Baarmittel am Ende gar nicht so„ungesund" im Sinne des Herrn Dr. Koch oder so niedrigwie jetzt bliebe.
Herr vr. Koch kommt zum Schlüß nochmals auf diePreisfrage zurück. Viele Landwirthe, „Mitglieder desStandes, welchen er so hoch schätze", erwarten eine Preis-