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die Konjunkturen sich bessern, was dann? Die Produktionwird in einer künstlichen Weise gesteigert; es müßten natür-lich auch alle anderen Waaren, als die landwirtschaft-lichen Produkte, es müssen die Arbeitslöhne steigen. Ge-schieht dies nicht, so würde sich eine Bewegung unter denArbeitern erheben, welche gerade jetzt recht bedenklich istund große Dimensionen annehmen kann. Die Arbeiterwürden klagen, daß man eine Währung einführe, welcheihre Löhne herabdrückte. Wie viele und wie lange Vor-theile bleiben also den Landwirthen? Besonders in denbisherigen Silberländern, etwa in Indien, wird man nochmehr Eisenbahnen bauen; es wird noch mehr erleichtert,uns Getreide von dorther zuzuschicken. Wenn wir dieSilberländer begünstigen, wird die dortige Volkswirthschaftsich heben, aber die Konkurrenz auf dem Weltmarkt wirdzunehmen und die Laudwirthe werden sehen, was sie an-gerichtet haben. (Sehr richtig!) Nacher kommt dann un-vermeidlich ein plötzlicher Sturz; es würde eine Krisis ein-treten, vor der Sie denn doch am Ende bange sein müßten."
Zunächst wird eine plötzliche starke „Inflation" von denBimetallisten überhaupt nicht zugegeben, die Produktionsoll nicht in einer „künstlichen Weise" gesteigert werden,sondern es sollen die durch Goldwährung und Silber-entwerthung geschaffenen künstlichen Hemmnisse beseitigtwerden. Aber angenommen, die Voraussetzungen desHerrn Dr. Koch über die Preiserhöhung wären richtig,so sind doch seine Schlußfolgerungen über die Wirkungauf die Landwirthschaft so absolut falsch, daß jeder ein-fache Landwirth sogleich den deutschen Reichsbankpräsidentenhierüber eines Besseren belehren kann. Wie die Land-wirthe hierüber denken, sollte Herr Dr. Koch aus der Zu-stimmung ersehen, die ich im Abgeordnetenhaus fand, alsich am 20. Mai wie folgt über diese Seite der Fragesprach:
„Aber nun kommt man und sagt: davon haben dieLandwirthe nichts, es steigen alle Preise, und was siebeim Einkauf einnehmen, müssen sie beim Verkauf wiederweggeben. Ja, meine Herren, wer das sagt, hat gar keineAhnung von landwirtschaftlichen Verhältnissen, (sehr