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richtig! rechts), der weiß gar nicht, daß der Landwirth viel,viel mehr verkaufen muß, als er einkaufen kann, weil ereinen größeren Theil des Erlöses seines Verkaufs noth-wendig hat für feste Zahlungen, für Zinsen und dergleichenmehr. (Sehr richtig! rechts.)"
Gerade hierauf beruht ja ein anderer beliebter Hetz-Einwurf der Goldpartei gegen die Bimetallisten, dessenallerdings Herr Dr. Koch sich nicht bediente, worauf derWiderstand gegen den Bimetallismus aber zum gutenTheil fußt, obwohl etwas Alberneres kaum vorgebrachtwerden kann — die Behauptung nämlich, daß die ganzeAbsicht der Bimetallisten nur darin bestände, daß die „ver-schuldeten Großgrundbesitzer ihre Gläubiger betrügen", in-dem sie ihnen für die in gutem Gold empfangene Schuldin minderwertigem Silber zurückzahlen — das ganzeGerede über die sog. Goldklausel hängt hiermit zusammen.Dieser Vorwurf ist an sich unberechtigt, weil die Hebungdes Silberwerths ja das Ziel der Bimetallisten ist, über-dies würden selbstverständlich gerade die Landwirthe zuletzthiervon profitiren. Ich darf auch hier eine Stelle meinerRede vom 20. Mai wiedergeben:
„Man muß also annehmen, daß die Silberproduzentenin Amerika und Mexiko so thöricht sind, gar nicht zuwisscu, was die europäischen Münzgesetzgebungen beschließen,daß sie einfach ihr Silber weiter zu dem entsprechendenGegenwerth von 90 Mark pro Kilogramm verkaufen, wennsie es an allen Münzstätten Europas für das Doppelteprägen lassen können, und daß sie dann dem deutschenGrundbesitzer überlassen, diesen Profit auszunutzen. Wer dieamerikanischen Silberminenbesitzer fürso thöricht hält, mag die-sen Vorwurf erheben; ich meinerseits bin der Meinung, daßes mit dem Silber genau so sein wird, wie es heute beimGold ist. Es wird doch keinem Menschen einfallen, wenner Gold produzirt, das in Deutfchand gesetzlich nach Abzugder Münzkosten mit 1392 Mark das Pfund gekauft werdenmuß und in anderen Ländern entsprechend, daß er diesesGold zu 600 Mark oder 700 Mark für das Kilogrammverlauft. Solchen Menschen müßte man doch in dasIrrenhaus sperren! Und nun sollte man annehmen, daß