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es beim Silber anders würde? Ein Silberminenbesitzer,der sein Silber billiger verkauft, gehört doch auch insIrrenhaus aber nicht auf den öffentlichen Markt. (Heiter-keit.)"
Will aber die Goldwährungspartei die Sache so auf-fassen, daß die Steigerung des Silberpreises an sich eineVeimiinderung des Goldwerths bedeutet, dann mußauch die Umkehrung zutreffen, dann hat die Silber-entwerthung den Goldwerth an sich erhöht, dann ist denSchuldnern ein himmelschreiendes Unrecht geschehen, dannkönnen die Gläubiger sich nicht beklagen, wenn ihnen einunbilliger Vortheil wieder entzogen und der frühere Standwieder zurückgeführt wird.
Bezüglich des Arbeitslohns folgt der Herr Reichsbank-präsident bedingungslos den freisinnig-sozialdemokratischenBehauptungen. Die Landwirthe und Industriellen sindanderer Meinung. Alle im praktischen Leben stehendenMänner sind darüber einig, daß sinkende Preise, schlechtewirthschaftliche Verhältnisse auf die Dauer die Arbeiter amhärtesten treffen. Die Arbeitgeber erliegen endlich, langevorher aber tritt Rückgang der Löhne, Arbeitslosigkeit,Hunger bei den Arbeitern ein und bereitet den Boden fürdie Unzufriedenheit und für die Revolution. Revolutionensind bisher stets in Zeiten wirthschaftlichen Niedergangs,nicht in Aufschivungsperioden gekommen. Eine Aufschwnngs-periode aber mit steigenden Preisen, wie sie der Bimetallis-mus bringen soll, bringt steigende Arbeitsnachfrage unddamit steigende Löhne und wachsende Zufriedenheit derarbeitenden Klassen. Die praktischen volkswirthschaftlichgebildeten Arbeiter Englands und Nordamerikas sind des-halb die eifrigsten Bimetallisten und unter den Zeichnernfür den Garantiefonds der englischen Bimetallisten-Liga,der bekanntlich schon über 1 Mill. Mark betrügt, befindensich auch die „United Textil Factory Workers" mit10 000 Mark — die englischen Arbeiter wissen, daß diePreisbewegung maßgebend ist für die' Lohnbewegung, undein englischer Arbeiterführer, Mawsdlen erklärte im Mai1894 auf der bimetallistischen Versammlung in London Folgendes: