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III. ABSCHNITT.
6 — 10 Franken per Monat. Wenn man bedenkt, dass einArbeiter im Monat höchstens seine 60 Franken verdient, unddass in einer Haushaltung höchstens 2 arbeitsfähige Leutesich vorfinden, dass ferner aus diesem Verdienste auch nochNahrung und Kleidung bestritten werden müssen, so ist esverständlich, warum man so viel wie möglich sich mit denbilligsten Wohnungen begnügt.
Trotzdem ist bei den meisten Arbeiterfamilien keinMangel ersichtlich; ja diese wetteifern oft in zierlicher Aus-stattung ihrer kleinen Wohnungen mit denen bemittelter Leute.Und früher, als noch wirthschaftlich günstigere Bedingungenexistirten, waren diese kleinern Wohnhäuser viel dürftigerbestellt. Alle Leute kommen darin überein, und die Aeltestenbestätigen dies, dass man ehedem nichts von den zierlichenVorhängen wusste, wie sie jetzt überall zu sehen sind, dassauch nicht überall gediehlte Böden vorhanden waren.
Da die Fabrikverwaltung zur Unterbringung der Ar-beiter eigne Arbeitcrwohnungon erbaut hat, so wollen wirauch eine solche unsern Lesern vorführen.
Diese Häuser sind sämmtlieh Backsteinbauten undhaben den im Dorf üblichen Grundriss; sie sind nur miteinem Erdgeschoss versehen; einige haben noch Dach-zimmerchen.
Mit Vergnügen können wir bestätigen, dass wir hierinfinden, was wir von aussen auch darin gesucht hätten, näm-lich eine zwar einfache Ausstattung, aber in gutem Zustandeund in ziemlicher Reinlichkeit.
Bei Leuten, wo reichlicher verdient wird, haben wirsogar schöne Bilder an den Wänden hängen sehen, wahr-haft künstlerische Lithographien oder Kupferstiche, auch sehrschöne Oelfarbendrucke, wie diese den Abonnenten illustrirterZeitschriften durch die Buchhandlungen dargeboten werden.Es ist mir dies darum sehr aufgefallen, weil ich es bei denBauern nicht vorfand.
In den Häusern, die durch die Fabrik erbaut wurden,sind nirgends tapezirte Wände zu sehen; aber die weisseFarbe der Wände macht doch keinen schlechten Eindruck