Druckschrift 
Die bäuerlichen Verhältnisse im Elsass : durch Schilderung dreier Dörfer / erläutert von A. Hertzog
Entstehung
Seite
71
Einzelbild herunterladen
 

DAS DORF HÜTTENHEIM.

71

auf die Besucher, wenn im Hause zugleich für Reinlichkeitgesorgt ist. Auch gibt es zum Glück aber wenigeHäuser, wo Elend zu treffen ist.

Doch fanden wir bei unseren Wanderungen gar Manches,das darauf hindeutet,dass der Besitzer in dem Kampfe umdas Dasein einmal Ruhe gehabt, die ihm gestattete eine'Ausgabe zu machen, die nicht zur Deckung drückenderBedürfnisse diente.

Der durchschnittliche Werth aller Häuser in Hütten-heim beträgt, nach der Aussage eines erfahrenen Zimmer-meisters 6 000 Franken. Während es freilich Häuschengibt, die nur 800 1000 Franken wertli sind, so steigendie Preise der grossem, bäuerlichen Hofgebäude auf 10 000Franken.

Bei den kleinern Anwesen ist natürlich der Werth derGebäude ausser allem Verhältnisse zum übrigen Grund undBoden; aber man muss ja wohnen, und es ist immer sehrangenehm, auf eignem Herde zu kochen.

Wenden wir uns nun von den Wohngebäuden zu denWirtschaftsgebäuden, und beginnen wir mit den Ställen, alsden wichtigsten.

Diese sind überall nicht, wie sie eigentlich sein sollten,selbst nicht in den neu errichteten Gebäuden.

Die Stallungen sind überall zu niedrig und haben zuwenig Licht; es ist dies ein Missstand, der nachtheilig aufdie gesunde Entwicklung des Viehes einwirkt. GeräumigereStälle, hellere Ställe, als im Eisass überhaupt sich vorfinden,wären sehr zu empfehlen.

Dessenungeachtet sehen wir in den hiesigen Ställenschönes Rindvieh stehen; minder schön sind aber die Pferde,denn bei diesen Thieren wird oft am Futter gespart:wenn sie nicht arbeiten, werden sie nicht mehr so reichlichgefüttert.

Neben den Stallungen breiten sich die Schuppen fürWagen und Ackerbaugeräthe aus. Kutschen sind keineunter den Bauernfahrzeugen; der Bauer begnügt sich miteinem offenen Wägelchen, das zwei Sitzbänke hat (Char äbancs).