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III. ABSCHNITT.
Nun fehlt aber meistens dem Bauer das haare Geld,dies zu thun; dann ist er gezwungen, zu allen Preisen abzu-geben. Das weiss der Mäkler, und diesen Umstand benutzter auch oft in ganz drastischer, empörender Weise. Aberdie Niederlagen werden den Kleinbauer nichts nützen. Diesermuss alle Jahre so wie so seinen Tabak verkaufen, um seinenVerpflichtungen nachzukommen. Nur in Verbindung miteiner zweckmässigen Kreditorganisation können diese Nieder-lagen günstig wirken.
Wir können bei dieser Gelegenheit nicht umhin, unsornLesern das Schaffen und Wirken der hier erwähnten Mäklervorzuführen.
Ein grosses Uebel für unsere Landwirthschaft ist, dasskein Handel ohne Zwischenhändler geschlossen werden kann.Der Getreidehandel, der Hopfenhandel, der Vieh- und Güter-handel sind ganz in den Händen dieser Mäkler, welche aus-nahmslos Juden sind.
Jedermann, der oft in die Bauerndörfer kommt, wirdschon diese Gestalten bemerkt und beobachtet haben, lneiner langen, blauen Blouse, einen Knotenstock mit Leder-riemen in der Hand, beide Hände meistentheils auf demRücken, den Kopf sinnend und denkend nach vorne gebeugt,schlendern sie langsamen Schritts mit achtsamem Auge undimmer offenem Ohre durch die Gassen des Dorfes. Es sinddies Mäkler oder „Schmuser“, welche von einem Handels-mann oder von einem reichen Juden angestellt sind,Geschäfte, „gute Masematten“ aufzuspüren. Und hierzuhaben sie ein bewunderungswürdiges Talent; obendrein sindsie von einer Ausdauer, welche eines edleren Unternehmenswürdig wäre. Bald reden sie diesen, bald jenen Bauern an,den sie auf ihrem Wege antreffen. Zuerst von ganz gleich-gültigen Sachen sprechend, wissen sie den Leuten, ohne dasssie es merken, Alles herauszuziehen, was sie gern wissenmöchten. Ehe es dieser oder jener denkt, wissen sie schon,dass dies oder jenes Stück Vieh, dies Getreide, jener Tabakfeil ist, und dass dieser oder jener Bauer in Geldnoth steckt.Es sind dann gewöhnlich nur wenige und immer dieselbenJuden, welche ihre Thätigkeit auf ein Dorf concentriren,