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Die bäuerlichen Verhältnisse im Elsass : durch Schilderung dreier Dörfer / erläutert von A. Hertzog
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DAS DORF HUTTENHEIM .

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xVusgangs Mai und Anfangs Juni werden die Pflänz-linge gesteckt. Wie die Kartoffeln wird auch der Tabakgerührt (dies hier die technische Bezeichnung für die Zer-störung des aufkeimenden Unkrauts durch die Hacke) undgehäufelt.

Wenn der Tabak etwas grösser geworden ist, so wirder geköpft, damit er nicht in die Höhe schiesse, die über-flüssigen Zweige werden ausgebrochen (Geizen heisst dieseArbeit), und nun kann er wachsen und gedeihen, wennnicht Hagelschlag die Blätter zerzaust, was oft sehr grossenSchaden verursacht. Im September ist der Tabakherbst.

Nun ist der Tabak geerntet und zu Hause; hier wirder an 1 Meter bis 1,50 Meter langen Schnüren aufgereiht, mitHülfe einer langen (0,30 Meter) Nadel, welche durch dieMittelrippe des Blattes gestochen wird. So gefasst, wirder zum Trocknen in die Tabakhenke aufgehängt und dannzum Abliefern fertig gestellt, nach Qualitäten ausgesucht, inBündel (Puppen genannt) von 25 Blättern zusammengebundenund zu Ballen, sogenannten Wellen, von etwa '/ 2 Contner ge-packt, fertig zum Yerwiegen, was gewöhnlich während desWinters geschieht.

Die Kosten für alle diese Arbeiten nebst einem 3%igenZins des Grund und Bodens kommen auf die Summe von1 110,50 Franken für den Hektar und nicht 1 100 Mark, wiees in der Enquete des Ersteiner Kreises heisst. Diese Summeist zu hoch gegriffen.

Wie gesagt, werden dies Jahr (1884) die Kosten nichterreicht; die Tabakspreise sind sehr niedrige. Von Seitender Bauern werden die Zwischenhändler, hauptsächlich dieisraelitischen Mäkler angeklagt. Schuld daran zu sein. Diesewissen nämlich, dass der Bauer zu dieser Jahreszeit Geldbedarf, und da haben sie dann leichtes Spiel.

In der That geschieht das vielfach, und ich muss esbestätigen. Man sucht dem Uebelstando abzuhelfen durchCreirung von steuerfreien Niederlagen, wo der nichtverkaufteTabak eingelegt werden könnte. Binnen einem Jahre, jetztzwei Jahren, muss der Bauer den Tabak verkauft haben,widrigenfalls er die Steuer davon selbst entrichten muss.

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