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Die bäuerlichen Verhältnisse im Elsass : durch Schilderung dreier Dörfer / erläutert von A. Hertzog
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III. KA1UTEL.

mittlerer Grösse Ausgesucht; geschnitten werden die Saat-knollen höchstens in Fällen äussersten Mangels.

Nun noch Einiges über die Technik des Tabakbaues.

Er ist das Schmerzenskind der hiesigen Landwirthschaft.Mit zärtlicher Liebe wird er gepflegt, und dem Landmanneist keine Arbeit zu viel, die er an denDüwack wendenmuss. Und dieser ist auch sehr anspruchsvoll. Die Renta-bilitätsberechnung, die wir unsern Anlagen beigebeu, zähltsorgfältig alle die nöthigen Arbeiten auf. Aber der Tabakist ein dankbares Kind; bis auf dies Jahr hat er seinenFflegeeltern reichlich gelohnt. Es ist seit langen Jahrendies das erste, wo diese Pflanze ihre Kulturkosten nichtdeckt.

Nicht nur, dass der Tabak eine ziemlich grosse Renta-bilität aufweist mit 9,46 °/o eines Grundkapitals von 6 000Pranken pro Hektar, sondern er bietet der Kultur nochfolgende Vortheile.

Seine stark verzweigten Wurzelfasern lockern denBoden, seine breite Blätterkrone bedeckt den Boden gänz-lich, so dass darunter kein Unkraut gedeiht; er erschöpft auchnicht den Boden in jeder Beziehung, indem er demselbenVieles zurücklässt, in den abgebrochenen Wipfeln (Geizengenannt) und Doldeu, sowie in den Tabakstengeln, welcheoft als Dung untergofahren worden. Nacli dem Tabak istder Boden immer noch im Staude die reichlichsten Getreide-erträge abzuwerfen, so dass schon hierin für seinen Bauerein reicher Lohn der Arbeit liegen kann.

Die Hauptarbeiten beim Tabakbau sind folgende:

Der Acker wird dazu drei Male gepflügt, und einereichliche Menge Dünger darauf gebracht. Auf den Hektarkommt für 316 Franken Dünger, der dem Tabak zurLast fällt.

Dass man die Hälfte des Dungs der Pflanze anreclmet,halte ich für irrthüinlich und ganz verfehlt, indem derTabak noch Dünger zurücklässt, und man diesen wiederauf seinen Kredit setzen müsste. Ich rechnete daher nurden dritten Theil der Düngerkosten dem Tabakbau an.