158
Erstes Buch. Land, Leute und Technik.
mit den Naturvölkern volkswirtschaftlich gar nicht in eine Linie gestellt werden kann,versteht sich von selbst. —
Es ist nicht angezeigt, hier zum Schluß dieser Einzelschilderungen zu versuchen,sie und die obigen allgemeinen Ausführungen zu abschließenden Resultaten zusammen-zufassen. Soweit derartiges bisher versucht wurde, wie von Gobineau oder neuerdingsvon Vierkandt, gehört es nicht Hieher, sondern etwa in unsere Schlußbctrachtung. Nurein Wort der Kritik möchte ich hier noch beifügen. Unfer Wissen auf dem vorstehenden Ge-biete, das allgemeinere in Bezug auf die Rassen, ihre Entstehung, Änderung und Spaltung,auf Vererbung und Ähnliches, wie das speciellere in Bezug auf die wichtigste» Rassen-und Völkertypcn hat den Grad der Ausbildung sicherlich nicht erreicht, der für seineBenutzung zu volkswirtschaftlichen Untersuchungen wünschenswert wäre. Den Psycho-logischen Völkerbildern, die wir gaben, kann man vorwerfen, es sei nicht deutlich zusehen, was in ihnen Folge des erblichen Rassentypus, was Folge des Landes, deraugenblicklichen geistigen Zustände und gesellschaftlichen Einrichtungen sei; mau wirdsagen müssen, daß aus keinem derselben sich ohne weiteres die Geschichte oder die Volks-wirtschaft des betreffenden Volkes ableiten lassen könne. Aber doch ist schon dieses Wissennicht ohne Wert und wissenschaftliche Bedeutung.
Jede gute volkswirtschaftliche Schilderung von Ländern, Industrien, Agrarzuständengeht heute von einem konkreten psychologisch-ethnographischen, einheitlichen Bilde derhandelnden Menschen aus. Alles volkswirtschaftliche Urteilen ist ein sichereres, wenn esnicht bloß den abstrakten Menschen oder gar seinen Erwerbstrieb, sondern die Spielartender Rasscntypen im Auge hat, wie wir schon in allen älteren Lehrbüchern sehen, diebei der Erörterung der Arbeitskraft von den Rassen, Volkscharakteren, nationalen Arbeits-sitten,'der verschiedenen nationalen Auffassung der Arbeitsehre sprachen. 'Alles Schließenüber volkswirtschaftliche Institutionen und ihre Umbildung, über die Verbreitung tech-nischer Künste und socialer Einrichtungen von Volk zu Volk hat einen besseren Boden,wenn wir die Rasscntypen, ihre Verwandtschaft und Verschiedenheit kennen, wenn wirerwägen, wie das Eindringen höherstehender Individuen auf bestimmte Rassen und dieRasseumischung wirke. Für alle diese wissenschaftlichen Aufgaben ist der besser aus-gerüstet, welcher wenigstens die allgemeinen Resultate der Völkerkunde kennt. Was Kniesschon vor fast 50 Jahren in seinem Abschnitte „Über den nationalen Menschen" ver-langte, das sollte hier wenigstens im Umrisse versucht werden.
3. Die Bevölkerung, ihre natürliche Gliederung und Bewegung.
Allgemeines. Süßmilch, Die göttliche Ordnung in den Veränderungen des menschlichenGeschlechtes. 1742. 4. Aufl. 1775, sä. Baumann. — Malthus , ^88ax on tue, piineipls okKopulation. Auouym 1798, dann mit dem Namen öfter 1803—72; deutsch vou Hcgewisch 1807, vonStöpel 1879. — Ch. Bernoulli, Handbuch der Populationistik. 1841. — v. Mohl, Geschichte undLitteratur der Bevölkcrnngslehrc. (Gesch. n. Litt. d. Staatsw. 3, 409 ff.) 1858. — Wavväus, All-gemeine Bevölkerungsstatistik. 2 Bde. 1859. — Röscher, Die Bevölkerung. (Grundlagen d. Nationalst.Buch IV) 1854-97. — Rümelin, R. A., 2 Bde., 1875 u. 1881, und die Bevölkerungslehrc (inSchönbergs Handbuch d. Pol. Ökon. 1882—95, 1). — v. Mayr, Die Gesetzmäßigkeit 'im Gesell-schaftsleben. 1877: — ders., Die Bevölkernngsstatitik. 1897. — Westerg aard, Die Lehre von derMortalität und Morbilitüt. 1881. — I. F. Neumann, Beiträge zur Geschichte der Bevölkerungin Deutschland seit Anfang des 19. Jahrhunderts. 5 Bde. 1883—1894. — Georg Hansen, Diedrei Bevölkerungsstufcn. 1889. — v. Fircks, Bevölkerungslehre und Bevölkernngsvolitit. 1898.
v. Mayr, Allgemeines statistisches Archiv, seit 1890 5 Bde. — Lullstill äs I'illstiwt intsr-national äs 8tari8tigue, seit 1886 11 Bde. — ^cmi'nal ok tlis statistical sosist^ ok 1_,on(loll, seit1839 62 Bde. Außerdem die zahlreichen Zeitschriften der einzelnen statistischen Ämter. — Die Be-völkerung der Erde, von Bchm, H. Wagner und Supan, im Geogr. Jahrb. 1866 undwiederholt in Petermanns Mitteilungen aus I. Pertb.es' geogr. Anstalt 1871 bis 1893.
Bevölkerungsgcichichte. Hume, Menge der Menschen bei den alten Nationen. BermifchteSchriften. 3; deutsch 1754. — Zumpt, Über den Stand der Bevölkerung uud die Volks-vcrmehrung im Altertum. 1341. — Dieterici, Über die Vermehrung der Bevölkerung seit demEnde oder der Mitte des 17. Jahrhunderts. Berl. Akad., phil.-histor. Kl., 1850. — v. Schönberg