Die neueren Wanderungen.
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teils passiv gehalten, teils nur durch Erwerb von Kolonien und Handelsstationen undihre erste Einrichtung, durch internationale Verträge und Ähnliches die Wanderungenermöglicht, jedenfalls nicht in dein Maße wie früher im Altertum, in der Völker-wanderung, zur Zeit der deutschen Kolonisation der Slavenlande, systematisch einheitlichdiesen ganzen Prozeß geleitet. Die älteren Wanderungen und Kolonisationen warenVolks- und Staatssache, die modernen sind überwiegend Sache der Individuen. —
Die neueren Wanderungen können geschieden werden in periodische und dauernde,in innere und äußere. Die periodischen Wanderungen, welche die Wanderer stets wiederzur alten Heimat zurückbringen, haben früher bei Nomaden und Jägern Wohl nochumfassender stattgefunden als heute. Aber auch jetzt sind sie in gebirgigen Ländernvielfach sür die Vichernährung nötig; sie finden dann in umfassendem Maße von Seitenland- und forstwirtschaftlicher, auch gewerblicher Arbeiter statt; Hausierer und Kauf-leute, Schiffer und Matrosen sind einen großen Teil des Jahres in Bewegung. Anall' diese periodischen Wanderungen knüpft sich häufig die dauernde Loslösuug. Dieaußerordentliche Ausdehnung des heutigen Reiseverkehrs, des Suchcns von Stellen inder Ferne, im Auslande hat eine große Zahl von Menschen geschaffen, die viele Jahrenicht sicher wissen, ob sie dauernd an ihren neuen Wohnorten bleiben oder in dieHeimat zurückkehren werden.
Der Unterschied zwischen den Wanderungen nach dem Auslande und im Jnlandcist zunächst ein rein formaler, vom jeweiligen Staats-, Verwaltungs- und Völkerrechtbedingter. Je kleiner die Staatsgebiete sind, desto häufiger ist schon die Übersiedelungan einen Ort von 1—10 Meilen Entfernung Auswanderung, nicht Binnenwanderung.Überall an den Grenzen der Staaten, wo lebendiger Austausch der Kräfte stattfindet,ist auch die definitive Übersiedlung wirtschaftlich kein so erheblicher Wanderschritt, wiewenn der rheinische Bauernsohn in Posen sich ansiedelt. Die vorübergehenden unddauernden Binnenwanderungen sind durch die heutige Niederlassungsfreihcit, die insAusland durch die neueren internationalen Verträge außerordentlich erleichtert worden.Die Rechtsfysteme in Bezug auf die Entlassung aus den heimatlichen Rechtsverhältnissensind heute noch sehr verschieden; England hält auch die draußen Wohnenden rechtlichanders fest als Deutschland . Der Wandcrprozeß selbst aber wird dadurch nicht vielbeeinflußt.
Die Ziele der Wanderung sind teils im Jnlande liegend, teils sind es anderekultivierte Länder unserer Zone, teils unbesiedelte fremde Länder und Kolonien. Dergroße Strom unserer inneren Wanderungen geht vom Lande nach den Mittelpunktender Industrie und des Handels; teilweise findet aber auch eine Bewegung nach bisherweniger besiedelten ländlichen Gebieten des Inlandes statt; man spricht da von innererKolonisation, wo noch Platz zu Neuansiedlungcn, zur Bildung kleinerer Güter, zuAnlagen auf bisher unwirtlichem, nun melioriertem Boden vorhanden ist. Reiche, die,wie Nordamerika und Rußland , sich neuerdings noch in unmittelbarer Nähe großartigausdehnen konnten, haben auch noch eine große innere Kolonifation, welche wirtschaftlichdie Folgen der eigentlichen Auswanderung anderer Staaten übertrifft und den großenVorteil hat, die Neuansiedler als Staatsbürger und im geographischen Zufammenhanzmit der alten Heimat zu erhalten.
Die Staaten, welche sich nicht fo ausdehnen und auch in der Ferne keine neuenBesitzungen erwerben konnten, wie Deutschland, Italien , die skandinavischen Reiche, habenihre Auswanderer meist nach den Vereinigten Staaten oder in englische Koloniengeschickt. Die Folge war fast stets, daß die Auswanderer und ihre Nachkommen bald dieSprache und Nationalität verloren, auch wirtschaftlich von der alten Heimat sich lösten.Solche Auswanderung hat entfernt nicht den Vorteil fürs abgebende Land wie die ineigene Kolonien.
Unter Kolonien im weiteren Sinne versteht man vom Mutterlande getrennte, vonihm in irgend welcher Rechtsform abhängige Gebiete, hauptsächlich solche, welche, inerheblicher Entfernung, auf niedriger wirtschaftlicher Kulturstufe stehen, durch ihre Ab-hängigkeit vom Mutterlandc diesem als wirtschaftliche Glieder dienen. Volkswirtschaftlich
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