Die Familienvcrfassunn der Jägcrstämme.
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tretende, durch Sitte und Recht einigermaßen geordnete Einteilung der Horde ist nichtdie nach Ehegruppen, sondern vielmehr die nach dem Alter. Die Gleichalterigen nennensich alle mit Namen, die unserm Bruder und Schwester entsprechen, die Jüngern redenalle Erwachsenen mit solchen an, die für uns Vater uud Mutter bedeuten. Auch Spureneiner Sippeneintcilung sind ost vorhanden, und damit sind gewisse Schranken des Ge-schlechtsverkehrs verbunden, wie sie heute auch den rohesten Stämmen nicht schien. Essind die Schranken zwischen Eltern und Kindern, vor allem zwischen Mutter und Kind,die zwischen Geschwistern, d. h. zwischen den Kindern derselben Mutter, teilweise auchschon zwischen Vettern und Basen ersten und zweiten Grades.
War hierdurch eine beliebige Geschlechtsvermischung schon in frühester Zeit aus-geschlossen, so blieb allerdings häufig der Verkehr zwischen denen, welche nicht unter deinVerbote standen, um so freier. Aber die Auswahl konnte in kleinen Horden von 2Vbis 1VV Personen nicht groß sein. Daher sehr früh die Sitte, aus nahen, verwandten,sprachgleichen Nachbarhorden sich ein Weib zu holen, was die Mannesherrschast in derGeschlcchtsgruppc befestigte. Die Nachbarhorden wurden so verknüpft, konnten, wieerwähnt, zu einem Stamme zusammenwachsen. Und es konnte nun die Scheu vorblutsnahen Gefchlechtsoerbindungcn leicht dahin sühren und hat bei unzähligen Stämmendazu geführt, daß die bisher getrennten Horden sich als Sippen eines einheitlichenStammes fühlten und jeden Geschlechtsverkehr innerhalb der Horde oder Sippe verboten.Das Princip der sogenannten Exogamie, d. h. der Zwang für alle Stamm- oder Sippcn-genossen, die geschlechtliche Verbindung in der Nachbarhorde, im Nachbarstamme, beziehungs-weise in den anderen zum Stamme gehörigen Sippen zu suchen, war damit entstanden.Es ist das einer der wichtigsten Wendepunkte in der Geschichte der Familienverfassung,es ist der Keim aller bis heute dauernden Verbote der Verwandtenheiraten; in tausend-fältiger Verschiedenheit haben es alle nachfolgenden Generationen ausgestaltet. Ohnesolche Schranken hätte ein gesittetes Familienleben nie sich bilden uud erhalten können.
Wie die Furcht vor Incest (Begattung von Eltern und Kindern), vor der Ge-schwisterehe, vor der Blutsmischnng zu naher Verwandter, vor der Endogamic oder Inzuchtüberhaupt nach und nach entstanden sei, ist eine der großen Kontroversen der urgeschicht-lichen Forschung. Wir können auf sie nicht eingehen. Wir konstatieren nur, daß solcheSchranken offenbar schon in frühester Zeit sich zu bilden begannen; wir müssen annehmen,daß sie aus Instinkten und Gefühlen heraus entstanden, vielleicht zusammenhingen mitder dämmernden Einsicht in die natürlichen uud moralischen Folgen des Jnccsts und derblutsnahen Geschlechtsverbindung; sie waren das Mittel, den Geschlechtstrieb im engstenKreise zu bändigen, die getrennten Sippen zu verbinden. —
Wo die Nahrungsgewinnung eine leichtere war, die Menschen in etwas größererZahl leichter beisammen bleiben konnten, wie bei begünstigten Fischervölkern und denRassen, die in südlichem Klima, auf gutem Boden den Hackbau erlernt hatten, da mußtedas Stammes- und Geschlechtsleben ebenso anders werden wie die Wohn- und Wirt-schaftsweise. Da erwuchsen die Stämme und Völker, aus denen die späteren Kultur-völker hervorgingen, die also für die ganze Entwickelung der Menschheit, ihrer Kulturund ihrer gesellschaftlichen Einrichtungen eine ganz andere Bedeutung haben, als diezersprengten, isoliert lebenden Jäger, von denen wir bisher redeten. Die Betreffendensind teilweise schon seßhaft, bilden Stämme von einigen hundert, ja tausend Seelen, siezerfallen fast alle in Sippen, wohnen in Dörfern zusammen, haben Sippen- undStammeshäuptlinge, kämpfen mit ihren Nachbarn. Sie haben in weiter Verbreitungund stärkerer Ausbildung die eben geschilderten Schranken gegenüber dem Incest, derGeschwisterehe, der Endogamie. Ihre Familienvcrfassung muß aus der der primitivenJäger hervorgegangen sein; aber sie ist bei vielen doch zu Einrichtungen und Gepflogen-heiten gekommen, welche von den eben geschilderten wesentlich abweichen. Sie sind wegenihrer größeren Kompliziertheit schwerer zu verstehen als die der primitiven Jäger undhaben deshalb und durch unvollkommene Beobachtung zu viel Irrtum Anlaß gegeben.
Näheres Zusammenwohnen, bessere Ernährung, sociale Differenzierung, wirtschaft-liche und kulturelle Fortschritte überhaupt werden stets zunächst leicht zur Verstärkung