Die Wirtschaft der patriarchalischen Familie.
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hängt nicht von Absatz und Kredit ab; ihr Hauptzweck ist die Eigenwirtschaft. Diesämtlichen Familiengenossen sind zugleich Wirtschaftsgenossen und haben wirtschaftlichmit keinem Nichtfamiliengenosscn viel zu thun. So hart ein Teil der Familiengliederoft behandelt werden mochte, ihre Stellung als Hausgenossen und der enge Zweck derEigenwirtschaft schützte sie vor allzu hartem Drucke. Die leidliche Behandlung allerGlieder hat in der patriarchalischen Familie so lange gedauert, als die Eigenversorgungihr Lebensprincip blieb. Erst als sie anfing für den Markt zu arbeiten, dadurch großeGewinne erzielte, als hiemit die Gewinn- und Habsucht neben dem Sinn sür technischenFortschritt entstand, wuchs die Mißhandlung der unteren Glieder der Familie, des Ge-sindes, der Sklaven.
Die ältere Hütte, die Individuen oder Muttergruppen diente, hatte bei einzelnenStämmen schon zur Zeit des Mutterrechtes größeren Sippenhäusern Platz gemacht, dieaber doch mehr eine Anhäufung zahlreicher schlechter Hütten unter einem Dache waren.Nun wird das Zelt der Nomadenfamilie ein gegliederter Organismus mit einer Reihevon Abteilungen, und das Haus des Ackerbauers erhält nach und nach seine seste, teil-weise noch vorhandene Gestalt; um das Atrium, die Halle der patriarchalischen Familiemit dem Ehebette des Hausvaters, sügen sich die Schlafgemache der verheirateten Kinderund der dienenden Kräfte; der Wirtschaftshof gliedert sich nach den Zwecken des Be-triebes, er wird mit einer Umsriedigung umgeben; die Tiere, die Vorräte, die Gerät-schaften erhalten ihre besonderen Räume; die Holzhäuser, die noch in Perikles ' Tagenund noch im 12. und 13. Jahrhundert in den deutschen Städten zu der beweglichenHabe gerechnet werden, nehmen nun unter der Leitung der Familienväter sestere Gestaltaus Holz, Stein und Mörtel an, werden für Generationen hergestellt (vergl. obenS. 203—205). Die bauliche Einrichtung der patriarchalischen Wohnung schafft dieGewohnheiten, die festen Sitten, welche nun das Geschäft und die Freuden, die Arbeitund die Ruhe regeln. Nicht umsonst hat man daher die Entstehung der Hanswirtschaftals das Ende der Barbarei, als den Ansang der höheren Kultur bezeichnet; nicht um-sonst benennen alle Kulturvölker noch heute alle Wirtschaft mit dem griechischen Worte„Haus " otxo^ — als Ökonomie.
An das Haus und seine Einrichtungen schließt sich die nunmehr vom Mannesystematisch geleitete Arbeitsteilung der Familie an. Die Verschiedenheit von Geschlechtund Kraft hatte von jeher den Mann auf die Jagd, den Kampf, die Tierzucht, dieFrau auf das Sammeln von Beeren, auf den Hack- und Ackerbau, das Vorrätesammeln,die Unterhaltung des Feuers gewiesen; die Herrschast des Mannes bürdete ihr nachdem Siege des Vaterrechtes Wohl oft zunächst noch mehr auf, machte sie zur Sklavin.Aber gerade bei den edleren Rassen verschafften der Gattin ihre hauswirtschaftlichenKünste doch wohl bald eine bessere Stellung in dem gemeinsamen Haushalt. Der vieh-züchtende, jagende und in den Kampf ziehende Mann übernimmt neben der Rodungnun auch die schwere Ackerarbeit, das Pflügen; das bedeutete eine große Veränderungin den Funktionen der Frau; ihre Kräfte werden fo für die Bereitung der Speisen undKleidung, sür die Erhaltung der Vorräte, sür die innere Leitung der Hauswirtschaft,vor allem für die Erziehung der Kinder freier. Und an die Arbeitsteilung von Mannund Mau schließt sich die der Söhne und Töchter, der Knechte und Mägde, „und esentstehen fo im patriarchalischen Hause feste Typen von hauswirtschaftlichen Ämtern,von arbeitsteiligen Handwerksarten als Keime späterer selbständiger Organisationen. —
Die geordnete Hauswirtschaft der Patriarchalischen Familie wird in dieser Weisesür mehrere Tausend Jahre, sür die Epoche der älteren asiatischen und griechisch-römischenKultur bis über das Ende des Mittelalters hinaus, sie ist noch für viele Völker undsociale Klassen bis zur Gegenwart das einzige oder das wichtigste gesellschaftliche Organ,um die Menschen fortzupflanzen, zu erziehen und um sie mit wirtschaftlichen Gütern zuversorgen; es war das erste, das dem Individuum als solchem Planvoll und im ganzendie wirtschaftliche Fürsorge abnahm, um sie einer fest organisierten Gruppe von Indi-viduen zu übergeben; es war das Organ, welches die Menschen eine geordnete Haus-wirtschaft zu führen, einen erheblichen Herden- und Landbesitz, sowie Vermögen überhaupt
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