Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
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Zweites Buch, Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft,

zu verwalten, zu erhalten, zu mehren gelehrt hat, welches die wichtigsten wirtschaft-lichen Gewohnheiten der Kulturvölker bis zum Siege der neueren Konkurrenzwirtschafterzeugte.

In der Zeit der ausschließlichen Herrschaft dieser patriarchalischen Familie bestehtdie Gesellschaft, hat man gesagt, aus einem völkerrechtlichen Bunde von Familienhäuptern;alle ihnen untergeordneten Familienglieder haben nur durch sie Beziehungen zum Ganzenund zu den höheren socialen Organen; sie wirtschaften nicht für sich, sondern nur fürdie Familienväter. Die Folgen dieser Familienverfassung sind nach allen Seiten hinbedeutungsvoll.

Aus der patriarchalischen Familie gingen die Verwandtschaftssysteme hervor, dieheute das Recht aller Kulturvölker beherrschen; alles heute bestehende Erbrecht ist einErgebnis dieser Familienverfassung. Alle älteren Unternehmungsformen, heute noch diedes Handwerks, der Kleinbauern, sowie die patriarchalische Fabrikverfassung sind ausder Familie ebenso entsprungen wie die kriegerischen Gefolgschaften, die Fronhofs-verfassung, die Grund- und Gutshcrrschaft. Die Klöster und andere kirchliche Institutionensind Nachahmungen der Familienverfassung; die Lehrlingschaft und alle älteren Er-ziehungsanstalten knüpfen an die patriarchalische Familie an. Die Formen der heutigenHandelsgesellschaften haben ihre eine Wurzel in der Familie; die offene Handelsgesell-schaft ist heute noch meist an die Familie angelehnt. Das patriarchalische Königtumwie das Aufkommen aristokratischer Kreise beruht aus dem Emporwachsen einzelnerpatriarchalischer Familien; in China und Rußland gilt die höchste Gewalt noch heuteals eine väterliche. Die politische und kriegerische Verfassung der heroischen Zeitalterund aller Staaten bis zu dem Punkte, da eine moderne Staatsgewalt sich ausbildet,beruht aus Elementen, die der patriarchalischen Familienverfassung augehören; die erb-liche Monarchie ist das in unsere Zeit hereinragende Ergebnis derselben. Die socialeKlassenbildung entspringt in einzelnen ihrer Keime der patriarchalischen Familien-verfassung; bei der Sklaverei ist das an sich klar, aber auch die leibeigenschaftlichen undgrundherrlichen Zustände gehen teilweise aus ihr hervor; wo die Familie übergroßwurde, spaltete sie sich leicht in eine führende, grundherrschaftlich befehlende, und ineine Reihe abhängiger, dienender Familien.

In der Überlieferung der wichtigsten Kulturvölker, in ihrer Religion und Litte-ratur, in ihren Sitten, ihrem Rechte nahm die patriarchalische Familie so sehr denbeherrschenden Mittelpunkt ein, daß sie naturgemäß von ungezählten Generationen alseine ewige Form des socialen Lebens, als eine unverrückbare göttliche Anordnungbetrachtet wurde.

Freilich hat sie nie alle Kreise der Kulturvölker in gleicher Weise beherrscht, siekam frühe ins Wanken, wo die Geldwirtschaft und Arbeitsteilung sich energischer aus-bildeten, wo moderne Staatsgewalten und Unternehmungsformen siegten, wo größereMenschenmengen in den Städten sich sammelten, ein individualistischer Geist mit ihremZwang, ihren Überlieferungen in Widerspruch kam. Es ist ein Prozeß, der zur Blüte-zeit Athens und Roms ebenso einsetzte wie in dem Italien der Renaissancezeit undbald nachher in den heutigen Kulturstaaten,

Aber erhebliche Züge und Elemente der älteren Familienverfassung sind auch heutenoch überall vorhanden; viele werden sich dauernd erhalten, andere werden noch mehrals bisher verschwinden.

Wenn heute die meisten konservativen und kirchlichen Elemente sich bemühen, vonder patriarchalischen Familienverfassung und ihren Ablegern so viel zu retten wie möglich,so haben sie darin Recht, daß alle Auflösung dieser alten Ordnungen leicht das Ver-schwinden der Zucht, des Gehorsams, der Ordnung und Gesittung überhaupt bedeutetaber sie haben Unrecht, wenn sie glauben, es gäbe auch für die intellektuell und sittlichgehobenen, individuell ausgebildeten Menschen kein anderes Erziehungsmittel als diealte despotisch-harte, oft brutale patriarchalische Familienzncht.

91. Die neuere verkleinerte Familie, ihre Wirtschaft und derenUrsachen. Sie steht zur patriarchalischen Familie nicht in so schroffem Gegensatze