Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
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Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft.

genossenschaftlich fühlenden, die Ehrenämter in Dorf und Amt bekleidenden tüchtigenKlein- und Mittelbesitzer ist eines der anziehendsten Kapitel aus der mitteleuropäischenKultur- und Wirtschaftsgeschichte.

104. Die Gruudherrschaft und ihre Wirtschaftsorganisation.Das mittelalterliche Dorf war eine genoffenschaftliche Gebietsorganisation von 50 bis500 Menschen ans wenigen Geviertkilometern, die Grundherrschaft eine herrschaft-liche Gebietsorganisation von in der Regel doppeltem, ja zehn- und mehrfachem Um-fange. Das Dorf war in gewisser Beziehung wirtschaftlich unabhängig, wenn es auchpolitisch der Teil eines größeren Ganzen war, wirtschaftlich zuerst von der Markgenossen-schaft, später meist von der Grundherrschaft, dann vom Absatz nach der Stadt abhing.Die Grundherrschaft war auch politisch und administrativ in ein größeres Ganzes ein-gefügt, wirtschaftlich nicht ohne Verkehrsverbindung nach außen; aber sie ruhte in derHauptsache doch rechtlich und wirtschaftlich viel mehr auf sich, zumal in den Zeiten un-entwickelter Staatsbildung, im ganzen Mittclalter und noch lange in der neueren Zeit.

Ähnliche Verhältnisse wie unsere europäischen, feudal-grundherrlichen Bildungenhaben auch andere Erdteile und Zeiten gehabt, wo Naturalwirtschaft, kriegerische oderpriesterlichc Aristokratien und von ihnen abhängige Bauernschaften zusammentrafen. Aussolchen Verfassungszuständen heraus haben sich fast überall unsere heutigen geldwirt-schaftlichen Agrarverhältnisse mit ihren Klein-, Mittel- und Großbetrieben in ver-schiedenen Übergängen entwickelt.

Ihren Kern- und Mittelpunkt hatte die Grundherrschaft in einer fürstlichen oderaristokratischen großen patriarchalischen Familie oder einem Bischof, einem Kloster; diese,im Besitze von großem Grundeigentum, sammelten um sich Gefolgs- und Lehnsleute,freie und unfreie Diener; hauptsächlich aber suchten sie Dörfer und Hufen mit ihrenBauernschaften zu erwerben; und die Verdinglichung aller möglichen Regierungs-,Gerichts-, Lokalvcrwaltungsrechte, d. h. ihre Verknüpfung mit dem herrschaftlichenBesitze bildete die Grundlage des dinglich-persönlichen Herrschastsverbandes. Er warbald mehr geschlossen, bald stellte er mehr einen Streubesitz dar, bestand oft nuraus einigen Dutzend, bald aber auch aus einigen Hundert oder Tausend Hufen nebstZubehör und großen Waldungen und allerlei Rechten; jedenfalls die lokale Verwaltungund Ausnutzung dieses Grundbesitzes, den man stets abzurunden^ suchte, war das treibendePrincip . Die Nutzung konnte, da Geldwirtschaft, Pacht und Ähnliches noch fast ganzfehlte, nur die sein, daß die Grundhcrrschaft das Land an ihre Leute gegen Diensteund Naturalabgaben ausgab, sich ein Obereigentum vorbehielt. Die höheren Dienstleuteund Reiter erhielten Lehen , etwas größere Güter, 48, auch mehr Hufen, die Bauernund andere Hintersassen erhielten oder behielten ihre einzelnen Hufen und Ackerstellen,die, nach ihrer Lage gruppenweise unter einem herrschaftlichen Meier zusammengefaßt,womöglich in ihrer hergebrachten Dorfverfassung gelassen wurden. Eine Anzahl Dörferund Meicrgcbiete wurden unter einen Haupt- oder Fronhof gestellt; diese selbst standenwieder unter den Oberhöfcn und Palatien, an welchen ein eigener, nicht sehr großerlandwirtschaftlicher Betrieb des Grundherrn geführt wurde. Von den übrigen zurGrundherrschaft gehörigen Gütern, Dörfern, Hufen her wurden Vorräte für den Bedarfdes großen Grundherrn, für seine militärische, polizeiliche, gerichtliche, geistliche Ver-waltung wie für seine persönlichen Bedürfnisse in den Fronhöfen angesammelt. Wurdevon diesen wirtschaftlichen Mittelpunkten der Verwaltung aus auch schon einiges ver-kauft, auf den nächsten Markt geliefert, die Hauptsache blieb doch der eigene Konsumdes Grundherrn, des Stistes, des Klosters und ihrer Beamten und Diener. Es warSitte, daß die Könige, die Grafen, die Bischöfe mit ihrem Hoshalte von einem ihrerHaupthöfe zum andern zogen, um zu verzehren, was im Laufe des Jahres da an-gesammelt war. Es fehlte in der Hauptsache die Geldwirtschaft, das Produzieren fürden Markt, die Abhängigkeit von den Preisen-

Aber in dem Centrum jeder der zahlreichen grundherrlichen Verwaltungen entstandein Überblick, ein Gesamtinteresse, eine gewisse Fähigkeit, alle untergeordneten Gliederzu einem planvollen Ganzen zu verbinden, ihnen nach eineni System der Arbeitsteilung