Rückblick auf die Theorien der Arbeitsteilung.
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Schriften d, Ver. f. Socialpol. über Hausindustrie Bd. 39, 40, 41, 42, 84, 8S, 86, 87. 1889bis 1899, über das Handwerk Bd. 62—71. 1895-1897.
M. Mo hl, Aus den gewerbswisscnschaftlichen Ergebnissen einer Reise in Frankreich . 1845.—Die S. 191 angeführten Werke Le Plays nnd Barbarets. — Die sämtlichen Berichte über dieIndustrieausstellungen.
113. Dogmengeschichte. Wesen und Entstehung der Arbeits-teilung. Stoffeinteilung. Wir haben in den letzten Kapiteln untersucht, wieeinerseits die Geschlechts- und Blutsbeziehungen, andererseits die Nachbarschafts-,Stammes- und Staatsbeziehungen die Menschen verbinden und gruppieren, sie wirt-schaftlich organisieren und zu typischen Organen und gesellschaftlichen Formen verknüpfen.Wir haben nun zu sehen, wie Arbeit und Eigentum in diese Beziehungen und Organi-sationen eingreifen, die Menschen differenzieren und gruppieren. Und es ist da zunächstauszugehen von dem großen Princip der Arbeitsteilung, das wir im weitesten Sinnedes Wortes fassen, das nicht bloß wirtschaftliche, sondern viel allgemeinere Folgen füralles menschliche und gesellschaftliche Leben hat, aber vor allem durch die Differenzierungder Gesellschaft volkswirtschaftlich gestaltend wirkt.
Wir werden dieses Princip nur dann richtig fassen, wenn wir, wie im bisherigen,von der gesellschaftlichen Natur des Menschen, von den verschiedenen Arten gesellschaft-licher Verbindung, von den gemeinsamen Gefühlen und dem gemeinsamen Handeln derMenschen ausgehen. Aus den vorhandenen Gemeinsamkeiten geht alles hervor, waswir Teilung der Arbeit nennen. Nur das thatsächlich oder in der Vorstellung derMenschen Gemeinsame kann in seiner Scheidung als etwas Geteiltes aufgefaßt werden. —
Seit die denkenden Griechen die Berufsgliederung in ihren rasch zu hoher Kulturgelangten Gemeinwesen beobachtet sowie die weitgehende gewerbliche Arbeitsteilung Ägyptens als eine Ursache des dortigen Wohlstandes erkannt hatten, bildet die Betrachtung dergesellschaftlichen Arbeitsteilung ein Element aller gesellschaftlichen Theorien. Adam Smith hat dann, sich an Ferguson anschließend, die Arbeitsteilung in den Handwerksstättenund Manufakturen seiner Zeit studiert, hat aus diesen Erscheinungen allgemeine Schlüssegezogen, die technische und die tauschwirtschaftliche Arbeitsteilung zum Mittelpunkteseines Systems gemacht. Mit merkwürdiger Gedankenarmut haben seine Nachfolger anseinen Beispielen und Sätzen festgehalten, bis Marx die Beobachtungsreihen erweiterte,die Arbeitsteilung in der heutigen Fabrik der Werkstattarbeitsteilung des 18. Jahr-hunderts entgegensetzte. Einen weiteren Anstoß hat die Lehre neuerdings durch dieBiologie erhalten. Sie begann Pflanzen und Tiere unter dem Bilde eines Zellenstaateszu betrachten, der durch Differenzierung der Zellenindividucn höhere Formen des Daseinserreiche; sie lehrte, daß eine Art Arbeitsteilung die besonderen Organe der Körper-bedeckung, der Ernährung, der Fortpflanzung, die besonderen Nervenzellen und Muskel-zellen geschaffen habe; sie wies nach, daß die niedrigstchenden Wesen eine geringe, dieam höchsten stehenden die entwickeltste Arbeitsteilung aufzeigen; sie lenkte unsere Auf-merksamkeit weiter auf die Arbeitsteilung der Tierstaaten hin; hauptsächlich HerbertSpencer und Schäffle haben diese Gedankenreihen staatswissenschaftlich zu verwerten,durch Vergleichungen und Analogien Anregung zu geben gesucht; sie haben aber auchda und dort den großen Unterschied zwischen dem Zellenstaate und der menschlichenGesellschaft übersehen, der darin besteht, daß selbst der niedrigste und roheste Menschin ganz anderem Maße Selbstzweck bleibt als die Pflanzen- oder Ticrzelle. Jedenfallsist es zunächst Aufgabe der socialen Wissenschaften, die gesellschaftliche Arbeitsteilungfür sich zu betrachten, sie nach allen Seiten richtig zu beschreiben, die Hieher gehörigenErscheinungen zu klassifizieren und daraus die sür unsere Wissenschaft brauchbarenSchlüsse zu ziehen. Einen solchen Versuch habe ich 1889 veröffentlicht. Bücher ist 1893mit einer Untersuchung der gewerblichen Arbeitsteilung und ihrer Unterarten gefolgt.Simmel und Dürkhcim haben die Frage vom sociologischen Standpunkte aus behandelt.
Ich versuche, im folgenden zuerst eine Übersicht der Hieher gehörigen Thatsachenzu geben, dann die wichtigsten allgemeinen Schlüsse daraus zu ziehen. Ich muß abervorher doch über Begriff und Entstehung der Arbeitsteilung ein paar Worte sagen.