Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Entstehung
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Die Komplizierung der menschlichen Motive durch die Arbeitsteilung.

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stellung der Bedarfsdeckung wirken noch mit, aber müssen aus komplizierte Umwege sichbegeben; es muß sich ein vielgestaltiges Lock- und Zwangssystem ausbilden, wobei Lohnund Gewinn, Ehre, Freude am technischen Erfolge, Furcht und Zwang zusammenwirken.Alles individuelle Leben, seine Gestaltung, die ganze Lebensführung wird jetzt von demeingangs erwähnten Kompromiß von unveräußerlichen Eigenzwecken und gesellschaftlichenAufgaben und Pflichten, von Zwecken, die dem einzelnen zunächst nicht als die seinenerscheinen, beherrscht; für solche thätig zu sein, ist schwer zu erlernen; der natürlicheMensch sträubt sich dagegen, wenn er nicht viel gewinnt. Und wird ihm das gestattet,so geht er leicht über die Grenze, mißhandelt die Schwächeren. Alle Moral, allePflichtenlehre muß eine andere, kompliziertere werden; alle Erwerbs- und Gewinnartenmüssen erst in Recht und Sitte, im Gefühl und in der Moral ihre rechten Schrankenerhalten. Es ist vielleicht die größte moralisch-Psychologische Aufgabe, vor die dieMenschheit so gestellt ist.

Alle socialen Institutionen, durch welche die Arbeitsteilung allein wirken kann,sind abhängig von dem jeweiligen Stande dieses psychologisch-historischen Prozesses; nurgroße geistige und moralische Fortschritte können ihn so gestalten, daß die Arbeitsteilungals rein segensreich sich darstellt. Alle Institutionen der Gesellschaft müssen nun sobeschaffen sein, daß sie nicht bloß dem Bedürfnisse des Tages, dem heutigen Stande derArbeitsteilung entsprechen, sondern so, daß sie auch diesen psychologischen Umbildnngs-prozeß richtig fördern. Wie schwierig ist das! Wie leicht kann aus der fortschreitendenArbeitsteilung deshalb da und dort mehr Reibung und Kampf, mehr Verwirrung undDruck als vollendete Vergesellschaftung entspringen.

Fassen wir das über die Ursachen und Bedingungen der Arbeitsteilung Gesagtenochmal zusammen, und vergleichen wir unsere Auffassung mit der älteren, so leiten wirsie in erster Linie aus den geistigen und technischen Fortschritten ab, die mit dichtererBevölkerung in größeren Staaten unter dem harten Drucke des Daseinskampfes ent-standen; wir begreifen sie als den elementar notwendigen gesellschaftlichen Anpassungs-und Differenzierungsprozeß, der stets auf eine höhere Form der Vergesellschaftung hinzielt,aber nur unter der Bedingung besserer Moral, vollendeterer gesellschaftlicher Organi-sationen und Rechtsformen dies Ziel erreichen kann.

Die manchesterliche Nationalökonomie betrachtete von ihrem technologisch-indivi-dualistischen Standpunkte aus die Arbeitsteilung als eine Art Wunderwerk, als eineprästabilierte Harmonie, in die sich die selbständig und isoliert gedachten Individuenunbewußt oder gelockt durch die Vorteile des Tauschverkchrs gleichsam willenlos einfügen.Der Socialismus von Marx sah nur in der Despotie des Dorfpatriarchen, des Werkstatt-Vorstehers, des großen Fabrikanten eine vernünftige, weil von oben geleitete Arbeits-teilung, in allen anderen Teilen derselben eine Anarchie, in der nur Zufall und Willkürihr Spiel treiben, und die Marktwerte vergeblich sich abmühen, das Gleichgewicht zwischenden gesellschaftlichen Arbeitszweigen herzustellen. Während jene ältere manchesterliche Auf-fassung unbedingte Freiheit und Willkür, dicfe jüngere socialistische von Marx centra-listischen Despotismus für die Durchführung aller Arbeitsteilung verlangte, sind siebeide das Produkt einer gänzlich unhistorischen, atomistischen und materialistischenGesellschaftsauffassung. Die Arbeitsteilung ist weder ein absolut harmonischer, noch einganz anarchischer, sondern sie ist ein gesellschaftlicher Prozeß, der in der Einheit vonSprache, Gedanken, Bedürfnissen und moralischen Ideen seine Grundlage, in der Einheitvon Sitte , Recht und Verkehrsorganisation seine Stützen hat. Sie ist ein Schlachtfeld,auf dem der Kampf um die Herrfchaft und der Irrtum ihre Spuren hinterlassen, abersie ist zugleich eine Friedensgcmeinschaft mit zunehmender sittlicher Ordnung. Die Fort-schritte der Technik, des Verkehrs, der Bevölkerung rütteln täglich an dem bestehendenSysteme der Arbeitsteilung; je komplizierter das ganze System ist, je rascher es sichändert und vergrößert, desto leichter kann ein einseitiges Wachsen an dieser oder jenerStelle und damit eine zeitweise Inkongruenz der arbeitsteilig aufeinander angewiesenenTeile eintreten. Nur ein Thor könnte leugnen, daß zeitweise recht ungesunde parasitischeMittelglieder sich in den viclgliedrigen Mechanismus der arbeitsteiligen Gesellschaft